10 Jahre Ozeaneum in Stralsund – Interview

Besucher der Region sollten unbedingt mal einen Besuch im Ozeaneum in Stralsund in Betracht ziehen! Das ist übrigens gar nicht weit weg von unserem Aparthotel meerSinn und unseren Ferienwohnungen auf der Insel Rügen. Um die Ecke, gewissermaßen – also perfekt für einen Tagesausflug im Urlaub! ;-)

Nachdem wir Lesungen aus Bodo Janssens Erfolgsbüchern im Ozeaneum gehalten haben, waren wir so begeistert, dass dort auch einige Filmaufnahmen für DIE STILLE REVOLUTION entstanden sind. Da wir vom Ozeaneum so herzlich unterstützt wurden, war es für uns nun an der Zeit Euch dieses tolle Ausflugsziel vorzustellen.

Foto: Johannes-Maria Schlorke / OZEANEUM Stralsund

Das Ozeaneum in Stralsund feiert 2018 seinen zehnten Geburtstag. Zu diesem Anlass wollten wir mehr über das Museum und den aktuellen Stand erfahren. Diana Meyen, Teamleiterin Marketing / Presse- & Öffentlichkeitsarbeit im Ozeaneum, stand uns für ein Interview zur Verfügung:

Das Ozeaneum ist ein Teil der Stiftung Deutsches Meeresmuseum mit eigenständigen Inhalten. Welches Museums- oder Ausstellungskonzept wurde im Ozeaneum umgesetzt? Wie eigenständig durften Sie dabei sein? 

Interviewpartnerin Diana Meyen – Foto: Ozeaneum Stralsund

Das Ozeaneum hat sich aus dem Meeresmuseum entwickelt, weil an unserem alten Standort, dem Katharinenkloster, einfach kein Platz mehr war.

Die Inhalte der Ausstellungen haben unsere Wissenschaftler entwickelt. Das haben wir nicht einer externen Ausstellungsagentur überlassen. So konnten wir Themen berücksichtigen, die uns sehr am Herzen lagen, zum Beispiel das große Aquarium „Offener Atlantik“ auf 300 qm Grundfläche und mit mehr als 2 Millionen Liter Wasser. Das zu realisieren, war eigentlich immer einer der Träume, die wir hatten. Hier hat man einen Blick wie in die unendlichen Weiten des offenen Meeres.

Ein anderes Beispiel ist die Halle 1:1 „Riesen der Meere“ mit den lebensechten, originalgroßen Walmodellen. Gleichzeitig konnten wir mit dem Ozeaneum aber auch eine inhaltliche Trennung zum Meeresmuseum realisieren. So widmen sich die Ausstellungen und Aquarien im alten Katharinenkloster im Wesentlichen den warmen Meeren, während das moderne Ozeaneum sich den heimischen Meeren wie der Ostsee und den Kaltwassermeeren widmet.

Ist es eigentlich üblich, dass Museen sonst externe Berater/Agenturen für die Konzeptionierung beauftragen? Eigentlich müssten Sie doch am besten wissen, was man inhaltlich umsetzen kann, was wichtig ist, was Ihre Besucher erleben möchten? 

Ich glaube, hier muss man zwischen der inhaltlichen Konzeption, den Themen und der gestalterischen Umsetzung unterscheiden. Museen bestimmen natürlich meistens ihre Inhalte selber. Die Umsetzung wird dann von Ausstellungsagenturen geleistet. Aber die Schnittmenge zwischen Inhalt und Gestaltung kann unterschiedlich groß sein. Wir haben auf jeden Fall sehr viel Wert darauf gelegt, dass die Inhalte im Vordergrund stehen. Man könnte auch sagen, die „Hardware“ wurde von der Ausstellungsagentur geliefert, die „Software“ haben wir aber selber programmiert.

Gebäudeplan: Ozeaneum Stralsund

Wie lange dauern eigentlich Planungen für die Realisierung eines Museums Ihrer Größenordnung? 

Lange! Unsere Wissenschaftler haben schon in den 90er Jahren mit dem inhaltlichen Konzept begonnen. Allein beispielsweise die Ausschreibung und das Auswahlverfahren für die Architektur hat von 2001 bis 2002 fast zwei Jahre in Anspruch genommen.

Durch die zahlreichen Aquarien und beispielsweise auch dem Außengehege für Pinguine hat das Ozeaneum auch ein bisschen was von einem Zoo. Aber was unterscheidet ein Museum Ihrer Art von einem Zoo? 

Das größte Aquarium des Ozeaneums wird gegenwärtig saniert. Die Arbeiten werden bis zur Saison 2018 abgeschlossen sein. (Foto: Johannes-Maria Schlorke / Ozeaneum Stralsund)

Wir sind auf jeden Fall ein Museum mit den klassischen Aufgaben vom Sammeln, Bewahren, Forschen bis hin zur Ausstellung. Die Aquarien sieht unser Konzept als lebendige Ergänzungen zu den Ausstellungen vor. Eigentlich sind unsere Aquarien mit ihrer Darstellung von Lebensräumen „lebendige Vitrinen“. Die Mischung hat sich schon bei unserem Stammhaus, dem Meeresmuseum bewährt. Wir haben – und wiederholen das immer wieder – Besucherbefragungen durchgeführt, die das bestätigen.

Während der traditionelle Ausstellungsanteil wissenschaftliche Informationen vermittelt, bieten die Aquarien nicht nur Abwechslung im Sinne der Unterhaltung. Sie helfen auch dabei, theoretisches Wissen zu visualisieren. Es ist ein bisschen etwas von Beidem.

Wenn Sie vor dem großen Aquarium „Offener Atlantik“ stehen – 300 qm Grundfläche – dann können Sie in der Regel das gegenüberliegende Ende nicht sehen. Fische kommen wie aus dem Nichts und verschwinden dort auch wieder. Das macht die Weite des Meeres zu einem gewissen Teil erlebbar.

Beim Zoo ist dieses Verhältnis von Schwerpunkt und Ergänzung umgekehrt. Wir haben allerdings das Gefühl, dass sich dahingehend beide Konzepte immer mehr annähern. Denn die Kombination macht Sinn. Und die Kriterien, die gesetzlichen Vorgaben für Tierhaltung sind in unserem Fall die gleichen wie bei zoologischen Einrichtungen.

Ist es 2018 schwerer, Menschen generell für die Inhalte und Forschung zu begeistern? Haben Sie spezielle Bildungsangebote und wie weit wird das zum Beispiel von Schulen angenommen? 

Eine Planktonwolke in überdimensionaler Größe. (Foto: A. Dittmann / Ozeaneum Stralsund)

Der Großteil unserer Besucher sind Individualtouristen im Sommer. Wenn wir Urlauber für unsere Besucherbefragungen auf ihre Gründe ansprechen, dann heißt es überwiegend „weil wir etwas Schönes mit der Familie unternehmen wollten.“

Aus unserer Sicht ist das Interesse für den Themenbereich „Meer“ bzw. „Meer und Umwelt“ schon grundsätzlich recht stark geworden. Das Transformieren komplexer Forschungsgebiete auf ein allgemein verständliches – und auch unterhaltsames – Maß, sehen wir als eine unserer Kernaufgaben.

Eine zweite große Besuchergruppe sind Schulklassen und Schülergruppen. Wir sind ein anerkannter außerschulischer Lernort und bieten auch Schulprogramme an, die sich an den bestehenden Lehrplänen orientieren und somit in den Unterrichtsstoff integrierbar sind.

Doch das stärker werdende Interesse gibt uns auch die Freiheit, gelegentlich Themen anzubieten, die für Individualbesucher auf den ersten Blick vielleicht gar nicht so spannend klingen. Wir haben neben den Dauerthemen auch Jahresthemen, die wir in den Vordergrund stellen. 2014 war das zum Beispiel „Plastikmüll im Meer“. Dieses Thema rückte zu der Zeit allgemein mehr in den öffentlichen Fokus.

Es gibt Kursräume zum Experimentieren. (Foto: Johannes-Maria Schlorke)

Aus Marketingsicht war das eine Herausforderung. Denn an sich glauben wir, dass der Sommerurlauber solche Themen zwar auch auf dem Schirm hat, aber ob wir ihn ausgerechnet damit zu einem Museumsbesuch ermuntern können, dessen waren wir uns vorher nicht sicher.

Mit einem neun Meter großen Müllstrudel im Museumsfoyer oder einem Aquarium, in dem statt Tieren Müll zirkulierte, ist es uns allerdings gelungen, die Aufmerksamkeit der Besucher auf das Thema zu lenken. Mit dem Aquarium konnten wir auch im Kleinen zeigen, wie das Problem unter Wasser aussieht. Und an Stelle der Karten mit Tierbeschreibungen haben wir uns mit den verschiedenen Arten von Müll beschäftigt, beispielsweise wie unglaublich lange Joghurtbecher, Plastikflaschen und Co. brauchen, bis sie in kleinste Mikropartikel zerfallen, die sich irgendwann auch in unserer Nahrungskette wiederfinden.

Jetzt hat sich in den letzten Jahren der Museumsplanung die Medienlandschaft radikal verändert. Nicht lange vor Ihrer Eröffnung hatte Social Media begonnen, das Mediennutzungs- und Kommunikationsverhalten der Menschen stark zu beeinflussen. Konnten Sie diese Entwicklungen noch in den Planungen berücksichtigen? 

Nein, in den Planungen konnte das damals noch nicht berücksichtigt werden. Während der Planungsphase spielten die Sozialen Medien noch keine große Rolle. Wir hatten aber bereits viele multimediale Inhalte in den Ausstellungen berücksichtigt und gerade auf unsere jüngeren Besucher abgestimmt. Und natürlich wir sind auch nicht im Jahre 2008 stehen geblieben. So haben wir 2009 unseren Twitteraccount eingerichtet, 2010 kam Facebook hinzu. Bei Instagram wollten wir uns danach etwas mehr Zeit nehmen. Zuletzt haben wir uns sogar an eine Spiele-App „Be the Whale“ getraut, die gut angenommen wurde. Es gibt mittlerweile auch schon einen zweiten Teil: „Be the Whale 2“.

Allerdings ist unsere Marketingabteilung auch recht breit aufgestellt. Für Museen eher ungewöhnlich, weil die Ressourcen dafür auch oft nicht vorhanden sind. Für uns allerdings ist eine solche professionelle Abteilung unverzichtbar, denn viele Museen werden zusätzlich gefördert. Wir aber mussten uns von Tag 1 an komplett selbst tragen. Und dafür braucht man ein gutes Marketing, das immer wieder neue Ideen entwickelt und bedient.

Wie sieht es mit Spenden aus? 

Humboldt-Pinguine (Foto: Johannes-Maria Schlorke / Ozeaneum Stralsund)

Über die freuen wir uns natürlich auch! Da gibt es verschiedene Modelle. Man kann zum Beispiel Patenschaften für unsere Humboldt-Pinguine übernehmen. Wir haben auch ein paar prominente Paten, darunter Angela Merkel und Frank Schätzing, die uns schon seit Jahren unterstützen.

Aber auch Spenden von unseren Besuchern sind willkommen. Dafür gibt es unsere großen Spendenwände, an der alle Spender öffentlich sichtbar verewigt werden – wenn sie das möchten. Dazu haben wir eine Kooperation mit einer hiesigen Keramikerin. Bislang sind es drei Spendenwände, an denen sie „Spendenfische“ oder getöpferte Pinguine mit den Namen der Spender anbringt.

Sie arbeiten nicht nur mit ausschließlich wissenschaftlich arbeitenden Institutionen, sondern unter anderem auch mit Greenpeace zusammen. Sie vertreten klare Standpunkte auf Basis wissenschaftlicher Forschungen – aber das berührt unweigerlich auch politische Diskussionen. In wie weit wollen, können und dürfen Sie in dieser Richtung wirken? 

Ganz klar: Wir möchten aufklären über die Meeresumwelt und auch über die Gefahren, die durch uns Menschen entstehen. Aber wir verstehen uns eher als eine Plattform, die anregen soll, sich eine Meinung zu bilden – auf der Basis stets neuester Forschungsergebnisse.

Weil Sie die gerade ansprachen: Greenpeace ist von Beginn an einer unserer Kooperationspartner. Sie haben ganz entscheidend dabei mitgewirkt, die Ausstellung 1:1 „Riesen der Meere“ mit Walen in Originalgröße zu realisieren. Wir haben aber zum Beispiel auch den WWF mit dabei – etwa wenn es um nachhaltige Fischerei in unserer Ausstellung „Erforschung und Nutzung der Meere“ geht. Und auch aus Institutionen der deutschen Meeresforschung und unserer Region kommen immer wieder Initiativen und Kooperationen zustande.

Weltweit einmalige Ausstellung: Riesen der Meere (Foto: Johannes-Maria Schlorke / OZEANEUM Stralsund)

Gibt es Gegenwind von politischer Seite? 

Nein, das Gegenteil ist eher der Fall. So haben wir etwa das Thema Plastikmüll auch in Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt gestaltet.

Natürlich haben wir auch kritisches Feedback, wenn etwa sinngemäß im Gästebuch steht: Ihr macht auf den Plastikmüll im Meer aufmerksam aber habt im Museumsshop selber Artikel aus Plastik.

Uns geht es in erster Linie darum, dass Plastikmüll ordentlich recycelt wird und nicht im Meer landet. Wir machen auf das Problem Plastikmüll im Meer aufmerksam und sensibilisieren für den sorgsamen Umgang mit Ressourcen, aber wir verteufeln nicht den Werkstoff an sich. Für unsere Aquarientechnik ist Kunststoff beispielsweise unverzichtbar.

Es hat den Anschein, dass Forschung und Fakten immer mehr mit einer Philosophie „alles hat zwei Seiten“ konfrontiert wird. Dabei geht es nicht um die Interpretationen, sondern um Fakten, die mit diesem Ansatz bisweilen einfach geleugnet werden. Als ob Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung mit persönlicher Meinung qualitativ gleichzusetzen wäre. Sehen Sie darin eine ernsthafte gefährliche Entwicklung? Verändert sich der Wert naturwissenschaftlicher Arbeit?

Ja, das scheinbar endlose Informationsangebot im Internet verführt schnell zu vorschnellen, vorgefassten Meinungen. Man googelt vielleicht noch kurz einmal etwas nach und hat dann seinen Standpunkt. Auch aus diesem Grund möchten wir unsere Besucher für eine kritische Auseinandersetzung mit den Themen interessieren. Deswegen zeigen wir originale Exponate, bereiten Forschungsergebnisse allgemeinverständlich auf und zeigen eben auch lebende Tiere.

Klar, bei Walen geht das nicht. Dafür haben wir unter anderem Wale originalgetreu nachgebaut. Oder wir machen beispielsweise an unserer Rolltreppe zu Beginn des Museumsrundgangs darauf aufmerksam, dass sie die Länge eines Blauwals hat. Viele Menschen werden nie in ihrem Leben einen im Meer schwimmenden Wal sehen. Aber wenn man bei uns etwa die Größe oder Gesänge eines solchen Tieres „hautnah“ erleben kann, dann schaffen wir Erlebnisse für unsere Besucher, die sie den Meerestieren etwas näher bringen.

Selten: Originalpräparat des legendären Riesenkalmars. (Foto: Johannes-Maria Schlorke / Ozeaneum Stralsund)

Und damit kann man unserer Meinung nach gar nicht früh genug anfangen. Deswegen versuchen wir auf vielfältige Weise Wissenschaft anschaulich zu machen – auch mit Schulprogrammen, Filmen oder etwa im Sommer mit einer Strand-Detektiv-Tour.

Aber jetzt konzentrieren wir uns erst einmal auf unser Jubiläumsjahr. Dass es uns schon 10 Jahre gibt, kann ich selber manchmal gar nicht glauben. Zu diesem Anlass erneuern wir beispielsweise unser großes Kaltwasserbecken „Offener Atlantik“ komplett. In wenigen Wochen soll es fertig sein, mit dem originalgetreuen Wrack eines Frachtschiffes, neuen Fischschwärmen und geschickt gestrichenen Wänden, so dass man den Eindruck des offenen Meeres noch besser bekommen kann.

 

Spenden

Wer das Deutsche Meeresmuseum unterstützen möchte, kann das auf vielfältige Weise tun:

Die Spendenkonto-Nummer lautet:
IBAN: DE28 1505 0500 0100 1187 04
BIC: NOLADE21GRW

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