80 Jahre zu Besuch auf Wangerooge

Wir Upstalsboomer teilen immer wieder gerne unsere Erlebnisse aus den Hotels und Ferienwohnungen zum Schmunzeln, zum Nachdenken und zum Freuen.

Cornelia Baaz erfuhr bei einer spontanen Tasse Tee Beeindruckendes.

„Kleine Geschichte“

von Cornelia Baaz – Gäste- und Hausbetreuerin Insel Wangerooge

Die Insel Wangerooge, dieses kleine Eiland am östlichsten Zipfel der sieben ostfriesischen Inseln, hat schon so manchen Besucher und seine nachfolgenden Generationen in ihren Bann gezogen.

Wenn ich durch die Zedeliusstraße schlendere, höre ich häufig Jugendliche und auch ältere Generationen untereinander sprechen, die sagen „Meine Eltern und ich fahren schon seit meiner Kindheit hierher …“. Schaue ich den Menschen ins Gesicht, sehen sie zufrieden aus.

Und so hatte auch ich eine einzigartige Begegnung mit einer Dame, die seit 80 Jahren ihren Urlaub auf Wangerooge verbringt!

Im Jahr 2014, ich war gerade ganz frisch auf der Insel gelandet, lernte ich sie kennen. Die Dame ist eine der treuesten und am längsten verweilenden Besucher auf Wangerooge. Sie verbrachte ihren fünfwöchigen Jahresurlaub in einer unserer Upstalsboom Ferienwohnungen und lud mich ganz spontan zu einer Tasse Tee ein. Wir besprachen Dienst und Privat in Einem und hielten bei einer Tasse Tee ein nettes Pläuschchen. Dabei erzählte sie mir, dass sie schon als 3-jähriges Mädchen mit ihren Eltern auf die Insel kam. „Seit 79 Jahren komme ich als Urlauberin auf diese Insel und ich bin 94 Jahre alt. In den letzten Jahren komme ich immer nur in diese EINE Ferienwohnung, weil sie alles hat, was ich gern genieße. Einen direkten Blick auf das Meer, die Nähe zum Strand und den Komfort der schönen Wohnung.“

Dann weihte sie mich in die friesische Teezeremonie ein: „Man nehme eine ganz bestimmte Sorte schwarzen Tee, Kluntje (Kandiszucker) und Sahne“. Sie zelebrierte die Zubereitung des Tees und zeigte mir, wie ein echter Ostfriese erst den Kluntje in die Tasse gibt,  dann den Tee eingießt und zum guten Schluss einen vollgefüllten Teelöffel mit Sahne darüber. Dann entstehen weiße Wölkchen. „Nicht umrühren“, zeigte sie mir mit erhobenem Zeigefinger, „sondern langsam und genüsslich trinken.“ Gesagt, getan und genossen. Sie erklärte mir, warum in Ostfriesland der Tee so gut schmeckt: „Weil das Wasser so weich ist.“ In einem anderen Gebiet von Deutschland würde der Tee niemals so gut schmecken, weil das weiche Wasser zum schwarzen Tee fehlt.

Heute nun, ein Jahr später, habe ich die alte Dame wieder getroffen und es ist ihr 80. Aufenthalt auf der Insel Wangerooge. Sie ist 95 Jahre alt. Bei einer Tasse Tee haben wir wieder Dienst und Privat besprochen und wir hatten eine wunderschöne Zeit miteinander. Es wundert mich, wie sie in ihrem Alter noch so fit ist. Vielleicht liegt es daran, dass sie jeden Morgen schwimmen geht, gleich mit dem Badmantel zum Meer!

 #kleineGeschichten

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