Perspektivwechsel – Auszubildende für eine Woche

Wer Auszubildende leiten und beraten will, muss selbst einer werden – das hat sich zumindest unsere Azubi-Ansprechpartnerin bei Upstalsboom gedacht und ist eine Woche lang in die Rolle eines Azubis in den verschiedensten Berufen geschlüpft.

Als Ansprechpartnerin für alle Auszubildenden im Unternehmen, kümmere ich mich um die Erstellung eines einheitlichen Ausbildungskonzepts in den Hotels und der Zentrale sowie die Übernahme der Auszubildenden nach Ausbildungsabschluss. Da ich branchenfremd bin und wenig Hotel-Gastronomie-Erfahrung habe, jedoch ein Gespür für den Arbeitsalltag eines Auszubildenden bekommen wollte, habe ich mich in die Hotelresidenz & SPA Kühlungsborn begeben, um in einer Woche alle Aufgaben eines Auszubildenden im Hotel kennen zu lernen. Den besten Eindruck kannst Du dir erst machen, wenn Du es selbst erlebt hast. Getreu diesem Motto ging das Abenteuer für mich los.

Montag: „Die Ruhe vor dem Sturm“

Mein Azubi-Abenteuer beginnt. Koffer einpacken und los geht´s von Lüneburg gen Osten. Nach 2,5 Stunden bin ich da. Als erstes steht Wohnung beziehen auf dem Programm und dann die Ruhe genießen, denn die nächsten Tage werden sicherlich anstrengend.

Dienstag: Housekeeping

Es ist 8:30 Uhr und Dienstbeginn für mich im Housekeeping. Nach einem kleinen Informationsaustausch geht´s los. Wir haben heute 18 „Bleiber“ und nur zwei Abreisen, das ist wenig, denn die Belegung liegt bei 69 %. Ich möchte nicht wissen, wie der Tag aussieht, wenn es mehr Abreisen gibt. Betten neu beziehen, Staubsaugen, Wischen und zwar überall…hier spürst Du plötzlich Muskeln, von denen Du nicht einmal wusstest, dass sie existieren. Es ist 17 Uhr und ich bin platt, mir ist schlecht und ich will nur noch ins Bett. Morgen wird alles besser. Ein Blick auf den Schrittzähler: 11.603 Schritte! Der absolute Wahnsinn. Ein normaler Tag endet bei mir mit ca. 3.000 Schritten.

 

Mittwoch: Küche

Ein neuer Tag, Dienstbeginn 6 Uhr. Gefühlt mitten in der Nacht, begebe ich mich in die Küche bis 12 Uhr bin ich für den Frühstücksdienst eingeplant, d.h. Buffet vorbereiten, nachfüllen und anschließend wieder abdecken. Zwischendurch helfe ich beim Anrichten der Fischplatten, Zubereiten von Eierpasteten, Rührei und Omelett. Danach laufen die Vorbereitungen für eine Tagung. Ich schnippel Salat und helfe bei den Canapés. Um 15 Uhr ist Feierabend. Endlichhhh ich bin fertig, nach gestern dachte ich, es kann nicht schlimmer werden. Oh doch sag´ ich Euch, hier ist kein Zuckerschlecken. Ich begebe mich auf dem direkten Wege wieder in meine Wohnung. Heute zwar nur 7.023 Schritte, dafür aber oft auf einer Stelle stehen. Für heute genug.

 

 

Donnerstag: Service

Dienstbeginn 14 Uhr. Sehr angenehm. Nach den zwei anstrengenden Tagen, bin ich ausgeschlafen und wieder voll motiviert. Nachdem ich die Gläser fein poliert habe, decke ich Tische ein und breche Servietten. Nun treffen die ersten Gäste ein und ab jetzt bin ich „Runner“, d.h. servieren und ausheben und das ist einem Tempo, bei dem Dir wenig Zeit bleibt zum Überlegen. Gegen 22:30 Uhr nach 13.882 Schritten und einigen leichten Verbrennungen an Fingern und Armen, wegen der heißen Teller, habe ich es geschafft. Auch wenn dieser Tag, alles andere als ein Spaziergang war, ist es der erste Tag an dem ich sagen kann, dass es irgendwie Spaß gemacht hat. Ich glaube es liegt daran, weil Du hier den direkten Gästekontakt hast und ich mich an meinen Jugend-Job in der Pizzeria erinnert habe. Hier erhältst Du für gute Arbeit direkt Feedback, ob ausgesprochen oder nur ein Lächeln, beides ist viel Wert. In der Küche und im Housekeeping findet alles im Hintergrund statt und obwohl die Arbeit Dir alles abverlangt, bist Du für die Gäste kaum sichtbar und kannst die Dankbarkeit nur erahnen. Sich hier zu motivieren fällt deutlich schwerer, umso wichtiger sind ein gutes und funktionierendes Team und die gegenseitige Unterstützung und Verständnis für die harte körperliche Arbeit.

Freitag: SPA

Juhuuu Entspannung pur. Ich hoffe auch für mich. Um 9 Uhr geht’s los mit einer Produktschulung der Firma THALGO. Die Marke steht für maritime Schönheit durch die Kraft der Algen. Es war sehr interessant, aber ich freue mich auf das, was jetzt kommt und zwar bin ich ab jetzt für ein paar Stunden Model für neue Massageübungen. Herrlich und so entspannend, die Anstrengung der letzten Tage sind verflogen und mir gefällt es hier sehr gut. Zum Abschluss bekomme ich noch eine Pediküre –Erholung von Kopf bis Fuß. Mit 6.378 Schritten und voll entspannt geht mein Arbeitstag um 17 Uhr zu Ende.

 

 

Samstag: Front Office

Heute bekomme ich von 9 bis 14 Uhr eine Einführung in den Check in und Check out sowie die Reservierungen. Sehr vielseitige Aufgaben. Hier brauchst Du einen kühlen Kopf. Das Telefon klingelt, die Kollegen haben eine Frage und neue Gäste stehen für die Begrüßung bereit. Wie schafft man es hier ruhig und freundlich zu bleiben? Bemerkenswert die Mädels lächeln was das Zeug hält und helfen jedem mit echter Herzlichkeit. Mein letzter Arbeitstag endet mit 8.218 Schritten.

 

Resümee: Auszubildende für eine Woche

Eine Woche Schweiß, Tränen und Spaß liegt hinter mir. Ich konnte einen sehr guten Einblick in den Arbeitstag eines Auszubildenden sowie die täglichen Herausforderungen gewinnen. Ich habe sehr viel Respekt vor ihnen und all die anderen Kollegen, die tagtäglich super motiviert und mit ganz viel Freude ihre Aufgaben erfüllen, nein leben. Sie sind Gastgeber aus Überzeugung und der Sinn ihres Handelns? Glückliche Menschen!
Nicht nur mein Verständnis für die Auszubildenden und die Kollegen ist größer geworden, ich denke auch mein Verhalten als Gast wird sich ab sofort bei Hotelaufenthalten ändern. Denn mir ist bewusst, was die Mitarbeiter jeden Tag leisten, um dem Gast einen angenehmen Aufenthalt zu ermöglichen. Ich werde es jetzt viel mehr wertschätzen. Und habe mir vorgenommen dem Housekeeping so viel wie möglich abzunehmen.

Eure Marina

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