Besuch für Käthe

Liebe Freunde,

eigentlich wollte ich Euch in meinem Oktober-Beitrag ein bisschen was über den wunderschönen Herbst bei uns an Nord- und Ostsee erzählen, aber eine aktuelle Begebenheit in meinem Leben, ließ mich diese Pläne ändern.

Ich bekam nämlich Besuch! Ganz besonderen Besuch… Aber ich fange von vorne an. Vor fast fünf Jahren bekam ich zum ersten Mal einen schönen, langen Brief von einem weiblichen Artgenossen namens Ronja. Sie hatte mit ihrer Menschenfamilie Urlaub in Schillig gemacht und antwortete mir damit auf mein kleines Anschreiben an unsere vierbeinigen Gäste. Aus diesem Briefwechsel (ich ließ es mir natürlich nicht nehmen erneut zu antworten) entstand eine rege und intensive Brieffreundschaft. Sehr oft ging es postalisch hin und her, mit vielen Fotos, Päckchen und Geschenken, schönen und witzigen Erlebnissen und Begegnungen aus unser beider Hundeleben.

Traurige Nachricht

Bis ich eines Tages wieder einen Brief erhielt, überraschenderweise dieses Mal nicht von Ronja, sondern von ihrem Frauchen Claudi (samt ihrer Mutter Bruni). Natürlich kannte ich die beiden aus Ronjas Erzählungen mittlerweile schon sehr gut, aber geschrieben hatten mir die beiden noch nie. Der Grund ließ mich sehr, sehr traurig werden – Ronja war gestorben. Das war ein großer Schock. Hatte ich Ronja doch sehr lieb gewonnen und sie war mir ganz nah – obwohl wir uns nie persönlich getroffen haben, sondern immer nur davon träumten, zusammen am Strand von Schillig herum zu tollen. Nun war sie einfach nicht mehr da. Keine Briefe mehr, keine Weihnachtskarten, keine Urlaubserlebnisse, keine Fotos und keine Päckchen mehr… Keine Ronja mehr. Nun war sie über die Regenbogenbrücke gegangen.

Tagelang lief ich mit herunterhängenden Ohren durchs Büro. Keiner der lieben und redlich bemühten Kollegen konnte mich aufmuntern. Selbst die mir dargebotenen und ansonsten äußerst spärlich gesäten Leckerchen (spärlich auf Grund meiner kleinen Figurprobleme und Allergien) verschmähte ich. Alle machten sich große Sorgen, aber ich konnte einfach nicht aus meiner Haut; auch nicht den Kollegen zu Liebe. Aber so ist das nun mal, wenn man einen lieben Freund verliert – ganz gleich ob Mensch ob Tier. Trauer braucht seine Zeit. Langsam, ganz langsam wurde es besser. Aber das schönste war:

Ich bekam weiterhin Post!

Claudi schrieb treu und ergeben weiter – auch ohne unsere Ronja an ihrer und Brunis Seite. Und wie sie schrieb! Die Erlebnisse handelten jetzt eben „nur“ von Menschen. Erst waren sie noch traurig, dann voller schöner Erinnerungen an vergangene Zeiten und dann wurde es wieder lustig. Und ich lachte und lachte! :) Und so geht es nun schon seit vielen Jahren …

Aber jetzt, nach meinem Sommerurlaub, bekam ich wieder einen langen, langen Brief. Und nicht nur das, Claudi und Bruni kündigten ihren Besuch bei mir in Emden an! Nach so langer Zeit, wollten sie mich endlich persönlich kennen lernen und aus Nordrhein-Westfalen nach Ostfriesland reisen. Extra wegen mir kleiner Französischen Bulldogge hatten die beiden sich fast eine ganze Woche in unserem benachbarten Parkhotel eingebucht. Ich fühlte mich geehrt. Natürlich bin ich gleich zu Herrchen Bodo und Senior-Frauchen Gretchen gerannt und habe den beiden die tolle Neuigkeit berichtet. Hatte ich mir doch auch schon ein ganzes Programm überlegt:

  • Willkommensgruß von mir auf dem Zimmer
  • Treffpunkt in der Hotellobby, Hausführung durch die Zentrale und Kennenlernen meiner Familie und aller Upstalsboomer
  • gemeinsames Mittagessen im Parkrestaurant
  • und abschließender Spaziergang mit meinem Kumpel Sssssseimän zusammen (da war ein gewisses Risiko – der werte Herr Saluki-Windhund hat so seinen eigenen Kopf und weiß sich nicht immer 1a zu benehmen, aber er gehört nun mal zu meinem Leben dazu. Und deshalb war er auch der letzte Programmpunkt des Tages – man kann ja nie wissen! ;)).

Dann war der große Tag auch schon da!

Pünktlich und pflichtbewusst (und neugierig und aufgeregt) wie ich bin, war ich um 11:30 Uhr in der Hotellobby des Parkhotels. Tja, und da standen die beiden lieben Menschen auch schon – unverkennbar von vielen, vielen Fotos und in Lebensgröße! Was soll ich sagen – das gab ein großes Hallo mit ausgiebigen Streicheleinheiten für mich. Und bei Claudi und Bruni flossen sogar die Tränen. Das lag natürlich nicht nur an meiner Lichterscheinung, sondern auch an den Umständen unseres Kennenlernens – schließlich war die Initiatorin unserer Brieffreundschaft unsere Ronja gewesen. Und sie konnte an dieser wunderbaren Begegnung leider nicht mehr teilnehmen. Es war also ein sehr schöner, aber eben auch ein sehr emotionaler Moment. Ich war nur froh, dass ich Ssssseimän nicht mitgenommen hatte, der hätte uns mit seiner ignoranten Art direkt die gefühlsbetonte Stimmung kaputt gemacht. Es gibt doch nichts Schöneres als seinen Gefühlen einfach mal freien Lauf zu lassen. Hach ja…

Und dann ging es auch schon los – rüber in die Upstalsboom-Zentrale – Herrchen Bodo kennen lernen; der musste erst einmal eine Menge Geschenke in Empfang nehmen (wie bei der Weihnachtsbescherung saß er da und wusste gar nicht so recht, wie er mit all den schönen Geschenken für sich und die ganze Familie umgehen sollte. Ein ganz kleines bisschen musste ich insgeheim über ihn lachen. Aber ganz liebevoll wohlgemerkt! Das war ja auch schon ein Termin der besonderen Art).

Danach ging es rauf zu Senior-Frauchen Gretchen! Auch sie hatte sich die Zeit genommen, um meine Oberhausener Mädels kennen zu lernen. Das fand ich schon super! Nicht alle Geschäftsführer hätten das getan, denke ich. Aber: Ein Upstalsboomer – ein Wort. :-)

Danach haben wir dann eine laaaaaange Runde durch die ganze Zentrale gedreht. Ganz schön anstrengend war das. Aber ich wollte doch auch, dass Claudi und Bruni meinen Wirkungskreis kennen lernen, damit sie sich ein richtig gutes Bild meines Alltags machen konnten. Danach war ich fix und fertig. Gott sei Dank war Mittagszeit und ich konnte eine kleine Siesta einlegen, während die Zweibeiner speisten. Das war auch bitter nötig. Außerdem stand mir ja noch eine schwere Prüfung bevor! Sssssseimän. Den haben wir dann nämlich im Anschluss zum Spaziergang abgeholt. Ich bat die beiden darum, ihn einfach völlig zu ignorieren (kein Ansprechen, kein Anschauen, kein Runterbeugen und kein Streicheln) – das empfindet er nämlich als ganz besonders höflich und gibt sich dann recht salonfähig bisweilen sogar interessiert. Und so war es dann auch. Puh! Mir fiel ein Stein vom Herzen. Wenn es drauf ankam, war er eben doch zu was zu gebrauchen.

Mittagsspaziergang

Ja und dann ging es auf zu unserem letzten Programmpunkt – ein sonniger Mittagsspaziergang. Übrigens auch sehr gut gegen Suppenkoma zu empfehlen. Probiert es mal aus! Im Sonnenschein und guter Dinge liefen wir also in trauter Gemeinschaft am Wasser entlang. Was für eine bunte Gesellschaft… Nun konnten die beiden mich endlich mal in Action erleben. Ich kann nämlich richtig aufdrehen. Danach hieß es Abschied nehmen – ich ließ es mir nicht nehmen, die beiden zurück ins Parkhotel zu begleiten und selbst Sssseimääään war gnädig und gab Geleit. Bei den letzten Umarmungen und Streicheleinheiten flossen schon fast wieder die Tränen, so schön war dieser Tag gewesen. Aber ich bin mir sicher – wir werden uns wieder sehen. Und schreiben werden wir uns sowieso. Ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Brief und Bilder unseres gemeinsamen Tages – Claudi hat geknipst was das Zeug hielt. An diesem Abend ging ich selig ins Körbchen – mein allerletzter Gedanke bevor mir die Äuglein zufielen, galt Ronja, ihr hatte ich dies alles schließlich zu verdanken und ich bin sicher, sie hat uns an diesem denkwürdigen Tag aus dem Hundehimmel begleitet.

Danke Claudi und Bruni – Ihr seid wahre Freunde und ich hoffe Euch noch lange in meinem Leben zu haben!

Eure Käthe

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