„Schatz, wir ziehen um!“ – Warum unsere Gäste die Besten sind

Wir Upstalsboomer teilen immer wieder gerne unsere Erlebnisse aus den Hotels und Ferienwohnungen zum Schmunzeln, zum Nachdenken und zum Freuen.

Yvonne Klein erzählt vonn einem Missgeschick, das dank hilfsbereiter Gäste ein gutes Ende nahm.

„Kleine Geschichte“

von Yvonne Klein – Direktorin des Seehotels Borkum

An einem sonnigen Samstagnachmittag reiste im Seehotel eine alleinstehende Dame mit Rollstuhl an. Den Rollstuhl konnte ich durch die Rezeption zunächst nicht sehen und ich dachte noch „Bitte lass es eine sehr kleine Frau sein!“, da ich wusste, dass unser einziges barrierefreies Erker und Turmzimmer bereits durch eine Familie belegt war. Leider musste ich sehr schnell feststellen, dass die Frau nicht besonders klein war. Die zweite Hoffnung war, dass sie kein barrierefreies Zimmer benötigte. Manchmal kommt es vor, dass Gäste für längere Wege einen Rollstuhl benutzen, allerdings im Zimmer, wo sie nur ein paar Schritte gehen müssen, den Rollstuhl weglassen. Auch diese Hoffnung wurde mir schnell genommen, als die Dame mich freundlich ansah und sagte: „Hallo! Ich habe für die nächsten 10 Tage Ihr barrierefreies Zimmer gebucht.“ Ich überprüfte die Reservierung … und tatsachlich: Wir hatten ihr ein falsches Zimmer zugeteilt. Es half alles nichts, ich musste der Dame erzählen, was passiert war.

Angefangen mit dem für so eine Situation typischen „Nicht-wahr-haben-wollen“, über Ärger bis hin zur Enttäuschung, alle Emotionen waren vertreten.

Ich setzte mich mit der Dame in die Lobby und wir überlegten gemeinsam, welche Möglichkeiten es nun gab. Sie erzählte mir, dass es ihr erster Urlaub seit langem war und sie sich riesig darauf gefreut hatte. Wie schwierig es ist, alleine und im Rollstuhl sitzend überhaupt etwas zu finden, wo man Urlaub machen kann und sie wohl kaum hier auf der Insel jetzt spontan ein anderes Hotel finden könnte, sie aber unmöglich in einem normalen Zimmer übernachten kann.

Ich überprüfte noch einmal die Zimmereinteilung. Die Gäste, die jetzt das Zimmer bewohnten, hatten das Zimmer noch für fünf weitere Nächte gebucht, allerdings nutzten sie es als Familienzimmer und nicht wegen der Barrierefreiheit und so kam mir eine Idee. Ich bot der Dame an, dass ich mit den anderen Gästen spreche, um einen Zimmertausch zu organisieren. Sie lächelte mich daraufhin skeptisch an und erklärte mir: „Da kann ich ja gleich die Rückfahrt buchen. So etwas macht doch niemand!“ Ich schaute sie an und sagte so entschlossen ich konnte: „Doch unsere Gäste schon!“ Auch wenn ich mir zum damaligen Zeitpunkt nicht wirklich so hundertprozentig sicher war. Aber egal.

Also machte ich mich auf den Weg in den dritten Stock, klopfte bei Zimmer 320 und hoffte, dass die Gäste im Zimmer waren. Nach kurzer Zeit ging die Tür auf und ein verschlafenes Augenpaar guckte mich an. Oh nein! Ich hatte die Gäste geweckt! Mir schwand der Mut. Aber nun stand ich ja schon da, also redete ich drauf los und berichtete von der Situation. Ich erklärte den Gästen, dass wir ihnen selbstverständlich beim Umzug und Packen behilflich sind, damit sie so wenig Unannehmlichkeiten wie möglich dadurch haben, dass das andere Zimmer dieselbe Kategorie hat und sie nur einmal auf die andere Seite des Stockwerks umziehen würden. Dass der Vorteil für sie ist, innerhalb eines Aufenthaltes gleich beide unserer wunderschönen Panoramaaussichten über Borkum genießen zu können und sie vor allem durch ihre Hilfe eine andere Person wirklich glücklich machen würden.

Ich endete mit meiner Erzählung und schaute die Dame hoffnungsvoll an. Sie drehte sich weg und rief ins Zimmer gerichtet: „Schatz, du musst aufstehen, wir ziehen um.“ In diesem Moment wäre ich der Dame vor Freude am liebsten um den Hals gefallen. Begeistert von so viel Herzlichkeit bedanke ich mich und machte mich eilig auf den Weg in die Lobby, um die guten Neuigkeiten zu überbringen. Nachdem alles erledigt war, stellte ich als kleine Aufmerksamkeit eine Flasche Sekt auf das Zimmer unserer hilfsbereiten Gäste. Am Abend sah ich dann das Ehepaar und die Dame im Rollstuhl, wie sie gemeinsam in der Lobby saßen und mit einen Glas Sekt in der Hand auf einen schönen Urlaub anstießen.

#kleineGeschichten

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