Wenn der Wald nach Brot duftet – Ein Ausflug zum Kloster Ihlow

Sonntagmorgen. Die Familie schläft noch und ich habe eine Verabredung. Also raus aus den Federn, rauf aufs Rad und ab in Richtung Ihlow. Das ist von meinem Wohnort nur knappe 10 Kilometer entfernt, also selbst für einen Fahrradmuffel wie mich schaffbar. :)

Ihlow – oder Ihlowerfehn, wie es korrekt heißt – liegt im Herzen Ostfrieslands, gut 20 Kilometer von Emden und 10 Kilometer von Aurich entfernt, in der gleichnamigen Gemeinde Ihlow. Direkt an den Ort grenzt der Ihlower Staatsforst, ein etwa 350 ha (oder 490 Fußballfelder) großen Mischwald, in dessen Mitte das ehemalige Kloster Ihlow liegt. Das eigentliche Kloster der Zisterzienser, welches eines der bedeutendsten Klöster Norddeutschlands war (gleichzeitig das größte seiner Art zwischen Groningen und Bremen), wurde bei Ausgrabungen wiederentdeckt und ist als eine Art Rekonstruktion aus Stahl und Stein im Jahre 2009 neu aufgebaut worden.

Durch den Wald

Das Fahrrad kann man getrost eingangs des Waldes am Parkplatz stehen lassen, um sich von dort aus zu Fuß auf den Weg zum Kloster zu machen. Mein Ziel ist heute Morgen die kleine Klosterbäckerei in der der ehemalige Bäcker Ditmar Busker einmal im Monat frisches Brot backt. Wer den direkten Weg wählt, der erreicht das Klostercafé mit dem kleinen Backhaus nach einem Fußmarsch von einem guten Kilometer. Wer will, der kann auch über die zahlreichen kleineren Pfade des Ihlower Waldes eine längere Strecke auf sich nehmen und dabei zum Beispiel dem Waldlehrpfad folgen, der gerade für Familien interessant ist und allerhand Wissenswertes vermittelt.

Auf dem Hinweg entscheide ich mich für den direkten Weg, vorbei an der Kunstkonstruktion, welche die „Ostfriesische Freiheit“ zeigt und jeden Spaziergänger kurz zum Stoppen und Lesen bringt. :)

Brotbacken an der Klosterstätte

Durch den Wald hört man alle halbe Stunde die Glocke des Klosterturms läuten … das wirkt auf mich in dieser stillen Umgebung irgendwie angenehm beruhigend. Nach gut 15 Minuten gemütlichen Schlenderns erreiche ich mein Ziel. Um diese Uhrzeit ist noch kein Mensch zu sehen, aber aus dem Backhaus dringen längst Geräusche. Ditmar Busker ist bereits voll in seinem Element: mehlbestäubt und ganz in weiß begrüßt er mich mit Handschlag zur kleinen Besichtigung seiner Wirkungsstätte. Der Backraum ist ca. 3 x 4 Meter groß. In der Ecke arbeitet eine uralte Knetmaschine, aus dem Trog riecht man den frischen Sauerteig. „Alt, aber hervorragend in Schuss!“, lobt Ditmar sein Arbeitsgerät.

Brotteig selbst gemacht und den Ofen vorgeheizt. Jeden ersten Sonntag im Monat ist Bäcker Ditmar Busker in seinem Element.

Klosterbrot und Winterkälte

Um 8:00 Uhr morgens beginnt die Arbeit im kleinen Backhaus erzählt mir der Klosterbäcker. „Holz schichten, anbrennen, nachlegen … übrigens alles Holz aus dem Wald. Dann den Teig vorbereiten.“ Die Zutaten werden regelmäßig mit dem Auto angeliefert, da ein Transport von Hand einfach zu schwer wäre. Es gibt Klosterbrot, Zwiebelbrot und ein Rosinenbrot, die einmal im Monat hier frisch gebacken werden. Rund 130 Brote, jedes rund 600 g schwer, entstehen so am Vormittag, erzählt mir Ditmar, während er die nächste Ladung Teig auf seine kleine Arbeitsfläche wuchtet, absticht, wiegt und walkt – und das alles in einer atemberaubenden Geschwindigkeit – man merkt: hier ist ein Profi am Werk. Teigrohlinge aus Sauerteig wandern auf bereits vorbereitete Bleche. Sobald alle Bleche voll sind, deckt Ditmar diese mit Leinentüchern ab. So bekommt das Brot keine harte Oberfläche während es ruht und die spätere Kruste wird nicht rissig, erklärt der Profi, während er schon den Teig für das Rosinenbrot ansetzt … mit feiner Zimtnote, wie er mir noch verrät.

Die Backzeit der Brote variiert, je nach Witterung liegt sie zwischen 25 und 35 Minuten, denn Brotteig ist ein sensibles Naturprodukt. Besonders im Winter, wenn der Ofen stark auskühlt, kommt Ditmar schon einen Tag vorher, um ihn vorzuheizen. „Sonst kühlt der Ofen beim eigentlichen Backen zu schnell ab.“ Bei über 300 Grad Celsisus wandern nun die Laibe in den Steinofen. Schnell wird die Luke wieder geschlossen, um die Temperatur möglichst konstant zu halten.

Klostergarten und Geschichte

Zeit für mich noch eine kleine Runde zu drehen. Gleich an das Backhaus grenzt der kleine Klostergarten, der vom Klosterverein und den „Klostergartenfrauen“ seit 2001 gepflegt wird. Er ist in vier Bereiche unterteilt: Heilpflanzengarten, Hexengarten, Mariengarten und Küchengarten und zeigt Euch die bedeutendsten Heil- und Gartenkräuter des Mittelalters. Wer einmal eine ausführliche Führung wünscht, kann diese im Klostercafé telefonisch (04929-915949) vereinbaren.

Der Klostergarten in Ihlow im August

Immer wieder wandert der Blick zur Rekonstruktion des Ihlower Klosters, das 1529 im Zuge der Reformation größtenteils zerstört wurde. Die Dimensionen sind gewaltig: rund 35 Meter breit, knapp 70 Meter lang, ein Deckengewölbe von 25 Metern und die Turmspitze reicht 45 Meter in den ostfriesischen Himmel – und all das mitten im Wald. Ein wirklich beeindruckender Anblick! Im Kellergeschoss der Rekonstruktion gibt es außerdem einiges über die Geschichte des Klosters, archäologische Entdeckungen und das Leben der Mönche im 13. bis 16. Jahrhundert zu erfahren.

Leider ist während meines kurzen Besuchs der Aufstieg auf den Turm des Klosters nicht möglich, das werde ich aber beim nächsten Mal definitiv nachholen, denn der Ausblick muss fantastisch sein! :)

Ausverkauft!

Zurück am Backhaus stelle ich fest, dass sich bereits eine lange Schlange gebildet hat und Menschen jeglichen Alters geduldig darauf warten, das frisch gebackene Brot kaufen zu können. Für 2,00 € je Kloster- oder Zwiebelbrot, bzw. 2,50 € je Rosinenbrot, geht man mit einem leckeren Stück Backkunst nach Hause. Alle Einnahmen hieraus kommen dem Klosterverein zu Gute, denn auch die Arbeit von Ditmar Busker ist ehrenamtlich.

Als ich dann an der Reihe bin, folgt die Ernüchterung: Alles ausverkauft und das innerhalb von einer halben Stunde! „Das Wetter war einfach zu gut, dann geht das fast immer so schnell!“, lacht Klosterbäcker Ditmar. Bei ihm gibt es keine Vorzugsbehandlung. Wer zuerst kommt, bekommt also auch zuerst – bis das Brot ausverkauft ist. Selbst an Regentagen bleibt nichts liegen. „Bislang ist noch jedes Brot gekauft worden.“ Die Besucher kommen inzwischen von immer weiter entfernt hierher, um den Ihlower Wald und das Kloster zu besuchen. „… und ein paar kommen sogar schon aus Varel, Wilhelmshaven oder Leer, um ein Brot mitzunehmen“, schmunzelt Ditmar zum Abschied.

Beim nächsten Mal werde ich dann brav in der Schlange warten, um auch ein Brot mit nach Hause nehmen zu können. … Zum Glück hatten wir noch Toastbrot im Haus, sonst wäre das Sonntags-Frühstück ins Wasser gefallen. ;)

Wie das Brot also schmeckt? Findet es doch am besten selbst bei einem Besuch heraus. Und falls es kein Brot mehr gibt, kehrt einfach im Klostercafé ein und tröstet Euch mit einer gemütlichen Tasse Ostfriesentee. :)

Backtage im Kloster Ihlow

Generell ist immer am ersten Sonntag des Monats Backtag im Kloster Ihlow! :)

 

Beste Grüße!
Sebastian

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