Klosterzeit für Upstalsboomer

Vor zwei Wochen war es wieder soweit: Zum wiederholten Male trafen sich 13 Upstalsboomer aus den verschiedensten Bereichen und Hotels, um einige Tage mit Pater Anselm Grün und Bodo Janssen im Kloster zu verbringen.

Das Kloster Münsterschwarzach

Das Benediktiner Kloster wurde 1913 wiedereröffnet und ist heute eines der bedeutendsten Klöster im deutschsprachigen Raum. Insgesamt gehören zur Abtei 125 Mönchen, wovon 35 Mönche in den Missionsklöstern in aller Welt und 90 vor Ort in Münsterschwarzach leben. Das zentrale Motiv des benediktinischen Lebens ist die Suche nach Gott. Benedikt definiert den Mönch als einen, der sein Leben lang wahrhaft Gott sucht.

Und so war es am ersten Tag natürlich sehr spannend, mit einem Mönch zu reden, der uns Rede und Antwort auf all unsere Fragen gab: „Wieso wird man Mönch?“, „Welche Aufgaben gibt es im Kloster?“, „Wie sieht das mit dem Nachwuchs aus?“ usw. – Egal mit wem wir uns in den drei Tagen unterhielten, alle waren offen, nett und in sich komplett ausgeglichen und ruhig. Die Begrifflichkeit „friedvoller Mensch“ passt hier sehr gut. Und in Momenten, in denen wir es gar nicht erwarteten, kamen sie mit einem Witz und ganz besonderem Humor um die Ecke.

Das Gelände des Klosters ist riesig. Das Besondere ist, dass die Mönche sich fast komplett selbst versorgen können. So gehört eine Biogasanlage, eigene Kühe, Gärten und und und zum Gelände des Klosters. Der Rundgang hat uns sehr beeindruckt und Lust gemacht, auch die Hotels in Zukunft ein bisschen in diese Richtung auszurichten.

Rundgang
Ställe
Garten

Tagesablauf der Mönche

Es war interessant, beeindruckend und auf eine gewisse Art und Weise sehr fremd, wie die Gebete und das Zusammenkommen in der Kirche den Tagesablauf der Mönche bestimmen. Die Gebetszeiten sind im Kloster die Eckpfeiler des Tagesablaufs der Mönche.

Insgesamt versammeln sich die Mönche fünfmal in der Kirche. Es war uns freigestellt, ob wir die Morgenhore um 5:15 Uhr in der Kirche mit den Mönchen erleben wollten, bei der Mittagshore dabei zu sein, oder stattdessen zu Meditieren oder uns die Zeit ganz für uns selbst nehmen wollen.

Kirche
Kirche   Jesu
Friedhof

Was haben wir im Kloster erlebt?

Und auch so war auch unser Tagesablauf von den Ritualen der Mönche geprägt.
Neben den gemeinsamen Mahlzeiten, die wir, zusammen mit anderen Gruppen im Gästehaus einnahmen, waren die Gebetszeiten auch für uns Eckpfeiler.
In den Zeiten zwischen Gebets- oder Mahlzeiten hatten wir die Möglichkeit in einem Gruppenraum viel mit Pater Anselm zu sprechen. Jeden Tag kam er, zum Teil sogar mehrmals, zu uns, um mit uns über verschiedene Themen zu sprechen.

Um euch noch an einem konkreten Thema teilhaben zu lassen, welches von Pater Anselm in einer unserer Gesprächsrunden angesprochen wurde:

Jeder Mensch empfindet.

Jeder Mensch hat Gefühle. Diese zu versuchen zu unterdrücken, gelingt vielleicht für eine kurze Dauer, aber nur, damit sie dann umso stärker zurückkommen. Pater Anselm regte uns an, jegliche Gefühle anzunehmen und zu akzeptieren. Sie sind da. Das können wir nicht ändern. Doch es liegt in unserer Hand, wie wir damit umgehen. Statt den Frust an anderen auszulassen, tut es gut, sich mal selbst zu fragen, warum ich gerade so fühle. (Leicht gesagt: Worte, die sicherlich noch lange in uns nachhallen werden und uns noch viel beschäftigen werden.)

Nach solchen Themenschwerpunkten, die immer Zeit und Platz boten, ihm Fragen zu stellen oder in denen er uns aktiv anregte, darüber zu sprechen, was uns gerade bewegt, konnten wir in Gruppen und zusammen mit Bodo diese Themen weiter aufarbeiten. Zudem sprachen wir über Rituale, die es uns im Alltag erleichtern können, mit den Gedanken bei uns zu bleiben und über die Kraft, sich und andere aufzurichten. Dazu lernten wir auch einige praktische Übungen kennen.

Wir empfanden es als eine Ehre, so viel Zeit mit Pater Anselm verbringen zu dürfen. Es war eine Zeit, die uns sehr bewegt hat und uns immer noch begeistert. Die Ruhe und Ausgeglichenheit war auf dem ganzen Gelände des Klosters, und somit auch im Gästehaus deutlich zu spüren.

Was nehmen wir mit?

Die drei Tage im Kloster haben uns sicherlich berührt, bewegt und uns für diese Zeit in eine ganz andere Welt entführt. In eine Welt in der es keine To-Do’s oder ausbleibende E-Mail-Antworten oder verstreichende Deadlines gibt. Es ist ein wenig so, als würde dort die Zeit stillstehen und die ganzen Achterbahnen, die in unseren Köpfen umherfahren, mal zur Ruhe kommen.

Ein Besuch im Kloster ist auf jeden Fall eine Erfahrung, ein Eintauchen in eine andere Welt und bietet Zeit zum Luft holen – und diese Ruhe, und diesen ruhigen Atem gilt es nun beizubehalten.

Vieles wurde mir im Kloster bewusst:

Warum fällt es uns so schwer, uns die Auszeiten zuzugestehen, die wir brauchen? Warum arbeiten wir über unsere Belastbarkeit hinaus? Warum ist es hinter vorgehaltener Hand inzwischen „vorzeigbar“ einen Burn-out zu bekommen? Hat man erst dann richtig hart gearbeitet?

Lasst uns selbst Raum und Zeit nehmen, um uns zu fragen: wie geht es mir? Warum bin ich heute hier? Und wenn die Beantwortung der Fragen länger dauert, dann ist das in Ordnung – denn diese Antworten machen uns aus.

Das Kloster war ein Ort, um mir begreiflich zu machen, warum es mir in Situationen entsprechend geht. Das war ein toller Anfang. Doch auch wir können uns diese Ruhe Zuhause nehmen. Wir müssen uns dem nur bewusst sein und damit anfangen

Eure Marie :)

P.s.: Dass man ein Kloster auch mit einer ganz besonderen Leckerei verbinden kann, könnt ihr übrigens hier nachlesen.

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Kommentare (1)

  • Katrin Herzog

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    Hallo Marie! Hab grad mit Katharina zusammen gesessen.. Ich freu´mich nach der Lektüre Deines Blogartikels sehr auf den Februartermin. Es wird sicherlich für mich eine genauso aufwühlende und inspirierende Erfahrung werden. Bin sehr gespannt auf „meine“ Klostertage. Sonnige Grüsse aus Berlin!
    Katrin

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