(M)Eine besondere Patenschaft – Ein Gastgeschenk von Herzen

Peter Günther hat zusammen mit anderen Upstalsboomern eine besondere Zeit in Ruanda verbringen dürfen. Nach der Eröffnung zweier Schulen wurde eine liebevolles Gastgeschenk überreicht, das allerdings einige Tücken mit sich brachte …


Am Tag der Übergabe der zweiten Schule in Kabirizi (Ruanda) erhielten wir als Gastgeschenk eine kleine Hütte, liebevoll von Hand gebaut aus Bambusmark, zusammengesteckt mit Bambussplittern, die als Nägel fungieren. Während des Transportes im Kofferraum des Jeeps auf unserer Tour durchs Land wurde das Haus durch die Erschütterungen zum Teil erheblich beschädigt. Also nahm ich das Haus zu mir in die Mitte der hinteren Sitzbank. Das war der Beginn meiner Patenschaft über dieses Gastgeschenk.

Transportsicherung auf Ruandisch

Was das bedeutet, wurde mir erst nach und nach klar, z. B. das Haus zu reparieren. Das schien mir lösbar zu sein. Doch irgendwann kam die Frage: Wie transportiere ich dieses fragile Bauwerk und seine Einzelteile im Flieger nach Hause? Die Einzelteile hatte ich bereits in dem grünen Vliesbeutel des Akagera Nationalparks verstaut, in dem unsere Lunchpakete transportiert worden waren; nehme ich also als Handgepäck im Flieger. Das Haus mit einer Grundfläche von 27 x 25 cm und einer Höhe von 15 cm (ohne Giebel) passte in keinen Beutel, auch in keinen meiner mitreisenden Upstalsboomer. Was also tun? Ich stellte das Haus probehalber in meinen leeren Koffer. O. k., das passte. Am Abend vor der Abreise nahm ich die „Transportsicherung“ des Hauses vor, indem ich rundherum meine Sachen platzierte. Die vier Innenräume und die Flure polsterte ich mit kleinen Wäschestücken aus, sodass der Druck auf die Außenwände kompensiert wurde. „Schicksal nimm deinen Lauf“, dachte ich.

„Danke, liebe Transportmitarbeiter der Flughäfen!“

Zu Hause angekommen öffnete ich voller Spannung meinen Koffer und nahm die obersten Kleidungsstücke heraus. Juhu! Das Haus war noch in dem Zustand wie ich es verpackt hatte. Ich hab mich echt gefreut wie ich es nur aus meinen Kindertagen von Weihnachten her kannte. „Danke, liebe Transportmitarbeiter der Flughäfen!“ Und stolz war ich natürlich auf meine geniale Stauvariante! Die nächste Herausforderung hab ich zugegeben ein paar Tage vor mir her geschoben; und das nicht von ungefähr. Denn als ich die Einzelteile dann alle vor mir hatte, machte sich ein Hauch von Ratlosigkeit in mir breit. Aber nicht lange. Getreu meinem Motto „Nicht lange nachdenken, einfach anfangen“ ging‘s dann auch gleich los. Zuerst die beiden Giebel wieder aufbauen, dann die Dachflächen zusammenbasteln, beide aufsetzen und schließlich die beiden Türen reparieren, Scharniere aus einem festen Grashalm einstecken und Türen einsetzen. Na bitte; fertig, in knapp zweieinhalb Stunden!

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Das Besondere an dieser (zeitweiligen) Patenschaft

Während der Reparatur ging mir immer wieder unser Spaziergang in einer der ärmsten Regionen in der Nähe des Krankenhauses von Uta Düll durch den Kopf. In solchen Häusern wohnen die Menschen dort. Wobei unser Gastgeschenk ein Haus darstellt, das von Menschen bewohnt wird, die schon etwas wohlhabender sind. Immerhin hat es mehrere Räume und verschließbare Türen und Fenster. Das ist nicht unbedingt bei allen Standard. Besonders ans Herz ging mir die dreiköpfige Familie (Mutter und zwei Söhne), die nur ein Lehmhaus mit einem Raum hatte. Der Schlafplatz für alle Drei bestand aus einer Fläche aus ca. 5 cm dicken Ästen, die abends mit Bananenblättern belegt wurden. Kein Kissen, keine Decke. Es gab keine Schränke, keinen Tisch, keine Stühle, keinen Schrank. An einem sonnigen Mai-Tag um die Mittagszeit war es dunkel im Haus, weil es nur eine Tür und eine kleine Öffnung in der Wand statt eines Fensters gab; kein Strom, kein fließendes Wasser. Die „Garderobe“ der Familie bestand aus dem, was die Menschen auf dem Leib trugen. Was es am Abend zu essen geben sollte, wussten sie nicht.

Diese Erlebnisse haben mir die Augen geöffnet: Die Menschen in Ruanda strahlen eine unglaubliche Zufriedenheit und Glück aus – und das obwohl sie „in unseren Augen“ so wenig haben. Die Erkenntnis, wie gut es uns doch geht, und dass es zum Glücklich sein nicht viel braucht, trage ich nun wie das Gastgeschenk in meinem Herzen.

Euer Peter

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