Nachhaltigkeit bei Upstalsboom

Nachhaltigkeit, ein echtes Bewusstsein für die Umwelt, ist bei uns ein großes Thema. Wir haben uns dazu mit Janin Döhler (Landhotel Friesland) und Dennis Schweikard (Parkhotel Emden) auf einen Tee getroffen … 

„In der Nachhaltigkeit kann man mit wenig schon viel erreichen“

Nachhaltigkeit ist a) ein Prozess, der b) zuerst im Kopf stattfindet. Deswegen machen wir auch keine große Kampagne aus dem Thema. Denn Eigenverantwortlichkeit sollte zuerst in jedem selber ankommen. Man kann nicht von jedem sofort erwarten, bestimmte Standards umzusetzen und auf bestimmte Dingte zu verzichten. Denn was für den einen eine Selbstverständlichkeit ist, bedeutet für den anderen vielleicht eine große Einschränkung, an die er sich erst einmal gewöhnen muss. Nur, wenn etwas aus einem selbst kommt, kann es sich nachhaltig entwickeln.

Für dieses Thema haben wir uns mit Janin Döhler (Guest Service im Landhotel Friesland) und Dennis Schweikard (Hotel-Direktor des Parkhotels in Emden) getroffen. Wir wollten mehr dazu erfahren.

Projekt Lebenswert ist nur der Anfang

Ihr kennt vielleicht die „Lebenswert“-Aufhänger für die Zimmertüren in unseren Häusern. Sie sind ein gutes Beispiel dafür, dass man nicht alles gleichermaßen von anderen erwarten kann. Dazu Dennis: „Das Projekt Lebenswert läuft ja schon eine Weile bei uns. Es geht darum, dass Hotelzimmer bei einem längeren Aufenthalt vielleicht nicht jeden Tag komplett von Grund auf gereinigt werden müssen. Eine Entscheidung, die jeder Gast für sich trifft.

Aber hier muss man unterscheiden. Das Parkhotel in Emden ist ein Businesshotel. Zu uns kommen die meisten Gäste, die aus beruflichen Gründen in Emden sind. Im Wesentlichen übernachten sie hier und sind ansonsten mit der Arbeit eingespannt.

Zimmer im Parkhotel

In einem klassischen Ferienhotel werden die Zimmer in der Regel mehr gebraucht. Der ein oder andere möchte ausschlafen oder sich zwischendurch darin aufhalten, um zu lesen, um ein Nickerchen zu machen, Kinder möchten spielen – was auch immer.

Es gibt also unterschiedliche Gründe in unterschiedlichen Situationen, die es erlauben, zwischendurch mal weniger Reinigungsmittel ins Abwasser zu leiten und weniger Wasser zu verbrauchen. Umgekehrt bieten aber einige Umstände dadurch auch mehr Komfort. So kann man sich ungestört im Zimmer aufhalten, auch mal ausschlafen. An unserem Standort auf Föhr kann man dafür beispielsweise bis 12.00 Uhr frühstücken.“

Janin ergänzt: „Zu Lebenswert haben wir ja auch Informationen in jedem Zimmer und natürlich sind wir für unsere Gäste auch dazu immer ansprechbar. Übrigens, wer von unseren Gästen im Landhotel Friesland Lust hat, dabei mitzumachen und mal einen Tag auf eine Grundreinigung verzichten mag, wird von uns im Haus auf ein Getränk, auch einen Cocktail oder ein Glas Bier eingeladen.“

Verantwortung als dauerhafter Prozess

Nach innen ist Nachhaltigkeit schon lange ein großes Thema bei Upstalsboom. Sie ist Grundgedanke des Lebenswert Projektes. Hier gibt es übergeordnete Ziele und Leitgedanken, aber hinsichtlich der Umsetzung haben die einzelnen Häuser weitreichend individuelle Entscheidungskompetenzen. Also wollten wir wissen, was die beiden Häuser bisher umsetzen und längerfristig planen.

Was setzt Upstalsboom um und was ist geplant

Janin: „Ich glaube, wir sind gut dabei. Wir haben fast die komplette Beleuchtung auf LED-Lampen umgestellt. Bis 2017 hatten wir im unserem Restaurant noch Einfachverglasung, was die Heizkosten im Winter ordentlich in die Höhe trieb. Jetzt ist alles dreifach verglast.

Das Geld, welches wir durch Aktionen wie diese einsparen, wird wiederum in Nachhaltigkeit vor Ort investiert. Wir haben beispielsweise schon vor einiger Zeit eine Ladestation für Elektroautos angeschafft. Und wenn der Bedarf wächst, wollen wir da auch weiter nachrüsten.“

Übrigens ein Service, den auch andere Upstalsboom-Hotels anbieten, beispielsweise das Hotel Deichgraf in Wremen oder das Hotel Friedrichshain in Berlin.

„Vor kurzem haben wir außerdem auf kompostierbare Coffee-to-Go und Plastikbecher umgestellt. Dazu werden wir auch öfter von den Gästen angesprochen, denen kompostierbares Plastik bisher nicht bekannt war. Wir haben beispielsweise auch kein Plastik-Strohhalme mehr, sondern welche aus Glas.

Vielleicht etwas weiter gefasst aber auch das gehört aus unserer Sicht dazu: Wir haben jetzt einen Defibrillator und sind lokal als entsprechende Station für Notfälle gelistet und vernetzt.“   

Bei den Trinkhalmen schaltet sich Dennis ein. „Ja, wir haben die auch abgeschafft – die Suche nach Alternativen fand ich sehr spannend. Wir beschäftigten uns mit drei Alternativen – aus Bambus, aus Papier und eben auch aus Glas.“ Bambus stellte sich leider als zu dick heraus. Strohhälme aus verstärkter Pappe hörten sich erst einmal nicht schlecht an, oft werden diese auch schon zusammen mit Trinkbechern aus Glas mit Deckel verkauft. „Aber zu unseren Gästen gehören manchmal auch Genießer, die sich viel Zeit für einen Cocktail lassen … also, wirklich viel Zeit. (schmunzelt) Und es stellte sich heraus, dass sich die Papierhalme nach 20 bis 30 Minuten im Getränk auflösten. Giftig ist das nicht. Aber schön auch nicht.

Trinkglas mit Henkel und Papier-Strohhalm

Blieb also noch Glas als Material. Die Halme lassen sich wiederverwenden, sie sind angenehm beim Trinken und sie verfälschen auch keinen Geschmack. Dafür werden wir jetzt öfter von Eltern angesprochen, die Glashalme könnten brechen und damit gefährlich werden. Die Kritik ist nicht ganz unberechtigt, aber Trinkgläser gehen auch kaputt, wenn man drauf beißt.“

Viel Arbeit für kleine Veränderungen

Bei Upstasboom ist man genauso auf Zulieferer und Warenangebote angewiesen wie andere Hotels. Doch manche Produkte lassen sich nicht einfach ändern, sondern müssen ausgetauscht werden. Das bedeutet oft auch das Beenden einer jahrelangen Kundenbeziehung. Damit tut man sich nachvollziehbar schwer. Aber es gibt Ausnahmen.

Janin: „Nestlé ist eine solche Ausnahme. Alle Upstalsboom-Hotels sind aktuell dabei, Produkte von Nestlé aus dem Programm zu nehmen. Einige haben es bereits komplett umgesetzt – wir sind noch dabei.“

Dennis ergänzt: „Hier sehen wir langfristig einfach keine Übereinstimmung mit Unternehmenswerten, die für uns wichtig sind. Und manchmal muss man auch genau hinschauen. Der Konzern stellt ja nicht nur Lebensmittelprodukte her. Ich war ganz überrascht, dass ein Duschgel, das ich ab und zu persönlich verwende, und das auch noch „Bio“ in seinem Namen hat, auch ein Produkt von Nestlé ist.

Bei anderen Zulieferern müssen wir schauen. […] Zum Glück stellt sich einer unserer größten Zulieferer im Bereich Nahrungsmittel auch gerade auf mehr Nachhaltigkeit ein. Vor allem, was die kleinen Plastikpackungen angeht – von Margarine oder süßem Brotaufstrich. Bei uns liegt am Früstücksbuffet vieles davon jetzt in kleinen Glasschälchen aus. […]

verschiedene nachhaltige Marmeladengläser

Bei unserem Honiglieferanten für Emden haben wir gewechselt. Wir wollten auch hier weg von den Verpackungen und arbeiten jetzt mit einem Imker aus der Region zusammen. Das klappt auch richtig gut aber wir müssen uns natürlich darauf einstellen, dass nicht jeder Honig zu jeder Jahreszeit zu haben ist. Es gibt bei uns also immer nur Honig der Saison – im Glas-Schälchen.

Im Großen und Ganzen bekommen wir von unseren Gästen ein sehr gutes Feedback. Man muss allerdings abwägen. Anderes Beispiel: Wir haben bei unseren Wäschesäcken für Gäste von Plastik auf leinen umgestellt. Leinen ist aber nicht geruchsfest – wenn man dort nasse Sportklamotten oder Arbeitskleidung reinlegt, riecht es schon mal streng. Das will aber natürlich nicht jeder Gast, der ja nur ein Zimmer hat.“

„Aufklärung ist das Wichtigste“

Janin: „Aufklärung ist das Wichtigste. Wenn Gäste etwas nicht akzeptieren, können und wollen wir das nicht ignorieren. Aber wenn man sich Mühe gibt und aktiv aufklärt, drauf anspricht und transparent ist, dann bekommen wir in der Regel sehr viel Verständnis und gute Rückmeldungen – genau wie Dennis gesagt hat. Es ist auch nicht selten, dass wir mit unseren Ideen Interesse wecken und uns Gäste sagen, Mensch, gute Anregung, habe ich so noch gar nicht auf dem Schirm gehabt.“

Gleiches gilt bei Upstalsboom natürlich auch in Richtung der Mitarbeiter. Wenn Arbeitsprozesse umgestellt werden, dann sollte das auch im Einklang mit allen Angestellten passieren. Das ist aber ohnehin einer der Leitgedanken bei Upstalsboom.

Und auch die Angestellten selber warten nicht, bis man Ihnen Vorschläge macht. Janin bestätigt, dass ihre Kolleginnen und Kollegen im Landhotel Friesland selber schon vielfach auf Nachhaltigkeit bedacht sind und ihrerseits intern mit Vorschlägen aufhorchen lassen.

Bei Dennis gab eine Schulung den entscheidenden Kick. „Das war schon etwas kurios. Es gab ein Schulungsangebot in der Autostadt in Wolfsburg – für alle Upstalsboom Hotels. Beim Überfliegen der Post blieben aber nur „Auto“ und „Nachhaltigkeit“ hängen. Nun, ich bin kein großer Autofan. Wenn ich sagen soll, wie viel PS meiner hat, muss ich schon grübeln. Durch mehr oder weniger Zufall bin ich dann doch hingefahren.

Bodo Janssen balnaciert über Wasser

Es ging dort um den „Fußabdruck“, den jeder Mensch – nicht jedes Auto – auf der Welt hinterlässt. Wasserverbrauch, Energieverbrauch etc. Das hat mich sehr beeindruckt und auch etwas erschrocken, als ich dann feststellte, wie groß mein Fußabdruck ist. Es war ein Schlüsselerlebnis für mich. Allein deswegen fahre ich jetzt nur noch mit dem Rad und nicht mehr mit dem Wagen zur Arbeit.

„Hat man unsere Generation denn schon aufgegeben?“

Darüber hinaus haben mich dann auch weitere Fortbildungsmöglichkeiten interessiert. Und zwei Beobachtung stehen für mich im Vordergrund.

  1. Für manche Veränderungen braucht es am Anfang kleine Schritte, weil sehr viele Prozesse und Menschen mit drinhängen. Entscheidend ist aber die Konsequenz, in der diese Schritte gegangen werden. Das ist auf unser Business bezogen vielleicht viel wichtiger als die Größe einzelner Maßnahmen. Wir müssen uns zusammen bewegen.
  2. Ich habe den Eindruck, dass sich immer mehr Fortbildungs- und Schulungsangebote von vorne herein nur noch an die jungen Generationen richtet. So, als ob man sich gleich direkt an die Zukunft wendet und gar nicht mehr an die Gegenwart. So, als ob manche die Generationen ab Mitte 40 schon abgeschrieben haben. Motto: Bringt eh‘ nichts mehr. Das macht mich sehr nachdenklich.“

Wir sind froh und stolz, dass unsere Kolleginnen und Kollegen in den Hotels eigenständig mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzen und den Worten auch Taten folgen lassen. Nachhaltigkeit fängt bei jedem selbst an. Wir sind zuversichtlich, dass dieser Prozess hier erst seinen Anfang genommen hat und freuen uns auf den Weg.

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