Nackte Tatsachen im Hotellift

Wir Upstalsboomer teilen immer wieder gerne unsere Erlebnisse aus den Hotels und Ferienwohnungen zum Schmunzeln, zum Nachdenken und zum Freuen.

Anne Scholz aus Berlin hatte eine Begegnung der anderen Art und rettete einem Gast den Tag.

„Kleine Geschichte“

von Anne Scholz – Supervisor Empfang des Hotels Friedrichshain

Es schien eine ganz normale Sommernacht an der Rezeption im Upstalsboom Hotel Friedrichshain zu werden. Ich hatte mich getäuscht. Was in dieser Nacht im Hotel passierte, werden ein Gast und ich nicht so schnell vergessen. Doch ich möchte nicht vorgreifen und die Spannung nehmen.

Es war eine warme Sommernacht und ich ging ganz normal meiner Arbeit nach, ab und zu kam ein Gast vorbei – aber sonst war alles ruhig. Ich beschloss, nach hinten ins Büro zu gehen, um den Tagesabschluss zu starten. Auf einmal fing es an zu piepen. Ich schrecke auf und überlege rasant, wo ich diesen Ton zuordnen soll. In einem Hotel kann ja einiges piepen. Gott sei Dank war es kein Feueralarm. Da ging mir ein Licht auf: Das Piepen kam vom Fahrstuhl. Ich dachte nur: „So ein Mist! Wenn das Ding jetzt irgendwo steht und jemand drinnen steckt, muss ich erst mal auf das Dach klettern, prima!

Das Piepen hörte wieder auf und ich versuchte, den Lift an die Rezeption zu holen. Eigentlich hätte sich schon längst die Sicherheitsfirma melden müssen, hat sie aber nicht. Nun gut. Da es sich um einen Doppelaufzug handelt, heißt das, ich muss den einen Aufzug mit einem Schlüssel festhalten, um den anderen holen zu können.

Überraschung im Hotellift

Da es immer eine Weile dauert bis der Hotellift unten ankommt, bin ich kurz ins Büro gegangen. Der Lift ging kurz auf, schloss wieder und fuhr weiter. Komisch. Da war ich wohl zu langsam gewesen. Das gleiche Spiel noch einmal. Ich wartete diesmal direkt vor dem Lift, damit er nicht wieder verschwinden konnte. Ich wartete und wartete. Endlich ging die Tür auf. Was mich erwartet hat, damit hätte ich nicht gerechnet: Starr vor Schock stand ich davor und – schwups – war die Tür wieder zu und der Lift weg.

Was ich gesehen habe? Es stand eine splitternackte Frau im Lift! Fieberhaft überlegte ich, was ich tun konnte. Dann lief ich zum Wäscheschrank. Da habe ich mir einen Bademantel geschnappt und bin wieder zum Lift. Die Dame war genauso aufgeregt wie ich und wollte natürlich nicht, dass in der Lobby der Lift aufgeht, also hat sie immer wieder auf „Tür schließen“ und schnell eine Etagenzahl gedrückt.

Ich habe sie dann doch noch erwischt und ihr den geöffneten Bademantel durch die Tür gereicht. Sie war heilfroh und sehr durcheinander.

Etwas zur Ruhe gekommen erklärte Sie mir, was passiert war.  Es war eine sehr warme Sommernacht und sie hatte sich dazu entschieden, nackt zu schlafen. Nachts drückte wohl die Blase und statt auf das WC zu gehen, hat sie die Zimmertür geöffnet und hinter sich geschlossen.  Mhm, sehr ungünstig.

Plötzlich war sie hellwach und stand im Hotelflur. Das Beste, was ihr einfiel, war der Lift. Mit dem ist sie immer hoch und runter gefahren und hat gehofft, dass niemand sie sieht. Sie hat im Lift mehrmals den Not-Knopf gedrückt, aber immer zu kurz. Kein Wunder, dass mich die Sicherheitsfirma nicht angerufen hat.

Sie war wirklich froh, als ich ihr erzählte, dass meistens ein Mann in der Nachtschicht arbeitet. Sie war mir sehr dankbar und es war ihr sehr unangenehm. Ich habe sie natürlich beruhigt und ihr vermittelt, dass so etwas durchaus passieren kann und sie sich wirklich nicht schämen muss. Sie sagte mir noch, dass es ihr eine Lehre gewesen ist und sie nie wieder im Hotel nackt schlafen wird.

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