Polar Rockstars – Eine echt coole Erfahrung

Im August 2018 war es endlich so weit: Nach einer langen Vorbereitungsphase startete das Projekt „Polar Rockstars“.  Während uns in Deutschland bei über 30°C das Eis in der Hand wegschmolz, packten zehn Upstalsboomer um Bodo Janssen, darunter neun Azubis, ihre Winterausrüstung ein und machten sich auf den Weg zum Polarkreis. Eine einmalige Reise.

Nachdem unsere liebe Kollegin Anna, die ganz spontan für eine Auszubildende einspringen durfte, bereits von ihren Erfahrungen erzählt hat, folgt nun ein weiterer Bericht. Der Upstalsboom-Azubi Jan-Luka aus der Hotelresidenz & SPA Kühlungsborn schildert seine Tour des Lebens:

Auch „Rockstars“ haben Lampenfieber

Jan-Luka

Hey, ich bin Luka und lerne seit Sommer 2016 Hotelfachmann in Kühlungsborn. Als ich vom Azubi-Projekt „Die Tour des Lebens“ erfuhr, war ich direkt begeistert.  Doch für mich fing die Herausforderung schon bei dem Schreiben der Bewerbung an. Diese war sehr persönlich und es fiel mir schwer, meine Worte aufs Papier zu bringen. Niemals hatte ich erwartet angenommen zu werden.

Umso größer war meine Freude, als ich im Januar 2018 erfuhr, einer von insgesamt 10 Auszubildenden zu sein, die an diesem Erlebnis teilnehmen dürfen. Mit dem Wissen dabei zu sein, nahm für mich jedoch auch die Ungewissheit zu. Was erwartet uns? Können wir das schaffen? Kann ICH das schaffen?

Bereits Ende Januar reisten wir für vier Tage nach Norwegen, um uns unter realen Bedingungen vorzubereiten. Danach folgten Fitnesscheck und Teamtraining. Doch trotz der umfassenden Vorbereitung nahm meine Anspannung zu. In der Woche vor Beginn der Tour hatte ich sogar so starke Rückenschmerzen, dass meine Teilnahme in Frage stand. Zum Glück ließen die Schmerzen (im Gegensatz zu meiner Aufregung) rechtzeitig zum Reiseantritt nach. Glück gehabt! :) Somit konnte die Reise zum Polarkreis also beginnen.

In Spitzbergen angekommen

Als wir von dem Boot aus den Gletscher sehen konnten, über den wir wandern würden, kam bei aller Unsicherheit richtig Vorfreude in mir auf. Mit einem kleinen Beiboot wurden wir an der Küste abgesetzt und dann begann gleich einer der für mich körperlich schwersten Teile der Tour. Wir mussten unsere gesamte Ausrüstung circa 800 Höhenmeter über Stein und Geröll nach oben tragen. Als wir an der ersten Eisfläche ankamen, konnten wir unsere Schlitten beladen und vorerst mit Steigeisen bis zu unserem ersten Camp laufen.

Das Zeltlager im Schnee

Unser Camp war aufgeteilt in fünf Zelte, die vier großen Zelte wurden parallel zueinander aufgebaut, das kleine als Spitze des Camps. Als nächstes wurde die Ausrüstung in die Zelte gebracht. Dabei spielte die Organisation im Zelt eine große Rolle, um möglichst viel Platz zu sparen. Danach kochten wir Wasser für das Essen und unsere Trinkflaschen auf.  Da der Schnee dort geschmolzen und der Boden sehr vereist war, mussten wir dieses und auch das letzte Camp mit Hilfe von Steinen befestigen.

Während der restlichen Tour konnten wir dann mit unseren Skiern laufen. Die Wettersituationen änderten sich immer wieder schlagartig. Es herrschte ein ständiger Wechsel zwischen starkem Wind, Sonne, Regen, Schnee oder eben Whiteout (das Anna in ihrem Bericht sehr schön beschrieben hat). Oft liefen wir alle gesichert am Seil, da die Gefahr in eine Gletscherspalte zu fallen sehr hoch war. An besonders sicheren Stellen durften wir mit unseren Schlitten hinunterfahren oder konnten in Zweierreihen laufen.

Von Besinnung bis Adrenalin

Unser Zusammenhalt als Team war eine wesentliche Voraussetzung, um diesen Weg überhaupt zu schaffen. Wir sind in dieser Zeit zusammengewachsen und haben eine besondere Verbindung zueinander aufgebaut, obwohl wir uns vorher so gut wie gar nicht kannten. Ich erinnere mich total gern an so viele lustige Momente: An Malte, der immer wieder ein Lied angestimmt hat. An das Kartenspielen abends im Zelt, das mir in der Situation mit Schlafsack, Bunsenbrenner und Essen nobler als jedes 5-Sterne Hotel vorkam. Ein unglaublicher Luxus.

Die Polar-Rockstars auf Wanderschaft im ewigen Eis

Neben dem Zusammensein, war die Stille eine wichtige Erfahrung. Es kamen viele Gedanken in mir auf, als ich stundenlang durch das Eis lief, bei fast absoluter Stille und Whiteout: Was ist mir wirklich wichtig? Wie will ich leben? Was kann ich ändern? – Das sind nur einige der vielen Fragen, die mich beschäftigten.

Zudem sind mir die gefährlichen Situationen in Erinnerung geblieben, in denen Anspannung, Ungewissheit und Adrenalinschübe deutlich spürbar wurden. Unter anderem die Gefahr in das Jagdrevier der Eisbären einzudringen, entlang vier bis fünf Meter tiefen Gletscherflüsse in denen wir hätten erfrieren können und die angsteinflößenden Gletscherspalten, die wir das ein oder andere Mal überqueren mussten.

Dann kam er: Der einzigartige Moment des Glücks, der Erleichterung und der puren Freude, als wir die Spitze des Newtontoppens erreichten. Die Weite, das Licht, die Natur und das Zusammensein. Eine einzigartige Erfahrung, die mein Leben nachhaltig geprägt hat.

Mein persönliches Polar-Rockstars-Highlight

Jan-Luka navigiert die Gruppe

Während der gesamten Tour war ich sehr an den Aufgaben unserer Guides interessiert. Sie zeigten mir zum Beispiel wie ein Bunsenbrenner gereinigt wird, wie Karten gelesen werden, und wie der Umgang mit einem Kompass funktioniert. Auf dem Weg zurück durfte ich für eine gewisse Strecke unsere Gruppe navigieren und vorne an der Spitze der Gruppe das Team anführen. Dabei wurde mir gezeigt, was ich zu berücksichtigen habe. Ich musste auf die Gruppe achten, damit sie zusammenbleibt und wir uns nicht verlieren. Ich durfte nicht zu schnell sein und möglichst keine Kurven laufen. Zudem habe ich gelernt, wie ich mich ohne Kompass durch die Sonne orientieren kann. Das war für mich einer der schönsten Momente auf der Tour, weil Ich nicht nur das Vertrauen unserer erfahrenen Guides bekommen habe, sondern auch von unserem gesamten Team.

Was nehme ich von der Tour zum Polarkreis mit?

Seit der Tour sind bereits einige Monate vergangen. Mir ist bewusst geworden, dass ich alles schaffen kann, wenn ich fest daran glaube. Ich möchte meine Ziele im Leben nie aus den Augen verlieren, auch wenn es Überwindung kostet. Ich habe für mich erkannt, dass ich mehr erreichen kann, wenn der Zusammenhalt im Team besteht. Zudem lege ich mehr Achtsamkeit auf den Umweltschutz. Ich versuche weniger Auto zu fahren und gehe gezielter einkaufen. Meiner Meinung nach sollten wir in Zukunft mehr auf unsere Erde aufpassen, damit unsere nächsten Generationen diese noch erleben können.

Auch wenn ihr nur durch diesen Bericht „dabei sein“ konntet, hoffe ich, dass unsere Erlebnisse und meine Erkenntnisse euch ein wenig inspirieren.

Euer Luka

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