Robbenwatching an der Nordsee

Süß, süßer Seehundbaby – Wer kann ihnen schon widerstehen, den süßen Kulleraugen? Der Frühsommer ist in vollem Gange und auch der Nachwuchs von Robbe und Co. lässt nicht lange auf sich warten. Grund genug, um während eines Nordseeurlaubes ein bisschen Zeit für das sogenannte „Robbenwatching“ einzuplanen.

Der Seehund – vom Jagdobjekt zum Superstar

Sie sind wie die Superstars der Nordseeküste –  die Sandbank ist ihre Bühne. Urlauber scheren sich gerne wie Paparazzi um die Seehundzone, wild entschlossen einen Blick auf sie zu erhaschen und als Trophäe ein Foto mit nach Hause zu nehmen – natürlich immer  mit genügend Abstand (mindestens 300-500 Metern). Die Seehunde räkeln sich gemächlich in der Sonne, ihres Charmes wohl bewusst. Stolz präsentieren sie ihren Nachwuchs, begeben sich für ein Weilchen ins kühle Nass, um danach wieder in der Sonne zu dösen. Seehund müsste man sein!

Doch nicht immer führten Sie ein solch entspanntes Leben im Rampen- und Blitzlicht. Noch ein Jahrhundert zuvor wurde der Seehund gejagt –  und dies nicht zu knapp. Als Nahrung und zur Öl- und Fellgewinnung galt die Robbe damals als äußerst attraktiv. Durch die sich anbahnende Überfischung der Meere, eine Folge der Industrialisierung, wurde der Seehund der Fischplünderei bezichtigt. Das drollige Tier mit den schwarzen Knopfaugen, ein Räuber? Bis 1930 standen Seehund und Kegelrobbe somit vor ihrer kompletten Ausrottung.

1953 kostete es 250 Mark, sich von einem Führer zu den Seehunden bringen zu lassen und ihn zu erlegen. 1977 wurde die Seehundjagd, nach den Niederlanden und Niedersachsen, auch in Dänemark eingestellt. Seit der Einstellung der Jagd haben sich die flauschigen Meeresbewohner wieder weitgehend erholt. In Niedersachsen und Hamburg wurden im Jahre 2014 um die 6.968 Seehunde gezählt, in Schleswig-Holstein waren es sogar 9.174 – Tendenz steigend. Gut so. Denn was wäre ein Strand ohne seine Seehunde?

Die besten Plätze für’s Robbenwatching

Man muss nicht unbedingt eine Tour buchen, um Seehunde und Robben sehen zu können. Manchmal reicht ein langer Strandspaziergang, gutes Wetter und ein kleines bisschen Glück, um die Seehunde entfernt auf der Strandbank sehen zu können. Auf der ostfriesischen Insel Borkum ist es keine Seltenheit beim Spazieren die Seehunde auf der nicht weit entfernten Seehundbank vor dem Strand zu beobachten. Wer einmal auf Borkum ist, sollte unbedingt die Augen offen halten – oder die Ohren spitzen. Denn die sogenannten „Heuler“, die mit dem Heulen nach ihrer Mutter rufen, machen Ihrem Namen alle Ehre … ;-)

Ausflüge zur Seehundbank  Wer Lust und vor allem Zeit mitbringt, oder vielleicht sogar länger an der Küste Urlaub macht, der sollte darüber nachdenken, eine richtige RobbenWatching-Tour zu unternehmen. Bekannt für Seehund-Touren ist zum Beispiel die Insel Sylt mit der einzigen Kegelrobbenkolonie Deutschlands. Hier kann von Kuttern wie der „Gret Palucca“ oder der „Rosa Paluka“ aus die Seehundbank besichtigt werden.

Die Seehundbank „Hohes Riff“ vor Borkum ist Anlaufstelle für rund 1.200 Robben und Seehunde. Wer Lust hat, auch mehr über das Leben der kurzsichtigen Meeresbewohner zu erfahren, der kann an einer Schiffstour der Borkumer Kleinbahn teilnehmen.

Immer wird genügend Abstand gehalten, denn kommen wir dem größten Raubtier Deutschlands zu nahe, besteht die Gefahr, dass die Tiere sich von ihrer Mutter trennen und zu Waisen werden. Dreht das Muttertier sich auf den Bauch, um nach eventueller Bedrohung Ausschau zu halten, ist die Futterzufuhr für den Seehundwelpen getrennt. Passiert dies durch äußere Umstände wie Menschenmassen oder Lärm öfter, verliert der geschwächte Kleine während der Hochwasserphase vielleicht seine Mutter. Es gilt also: So entspannt wie die Robben auch scheinen, wir sollten ihnen ihre Ruhe lassen und die Seehundzonen nicht betreten.

Kegelrobben vor Borkum

Seehundretter

Nicht immer ist das Glück auf unserer Seite und die Seehund-Mamas mit ihrem Nachwuchs zeigen sich. Hierfür bietet sich jedoch der Besuch einer Aufzuchtstation an. Ein Team aus Profis und freiwilligen Helfern, kinderfreundliche Ausstellungen und die Tiere selbst vermitteln den Besuchern den Lebensraum Meer.

Es kommt immer wieder vor, dass Seehundbabys ihre Mütter verlieren und schutzlos der Nord- oder Ostsee ausgeliefert sind. Die Aufgabe der sogenannten Seehundjäger ist es dann, die Kleinen in die Seehundstation zu bringen und dort zu versorgen. Sind die Meeresbewohner dann groß und stark, werden sie in der Regel wieder in die freie Natur entlassen.

Besonders spannend, auch für kleine Gäste, ist es, die Heuler in nächster Nähe und in Aktion zu erleben. Mit ein wenig Glück findet bei eurem Aufenthalt auch eine Fütterung statt. In Norddeutschland gibt es zurzeit zwei Aufzuchtstationen. Hier die weiterführenden Links für mehr Informationen. Vielleicht ist eine Station auch in eurer Nähe:

Seehundpate

4.1.1Ihr habt Lust am Aufbau und Erhalt des Seehundbestandes mitzuwirken? Wie wäre es dann zum Beispiel mit einer Heuler-Patenschaft? Das ist ganz einfach und macht auch noch Spaß: Denn zusätzlich zu einer Patenschaft wird jeder Pate auch zu Aussetzungsfahrten eingeladen, bei denen die aufgepäppelten Heuler zurück in die Freiheit entlassen werden.

Schließt Ihr eine Patenschaft ab, erhaltet Ihr eine Urkunde mit dem Foto eures „Patenkindes“, auf der nähere Angaben zum Fundort, Funddatum und Gewicht festgehalten sind. Euer Paten-Heuler bekommt selbstverständlich einen Namen, den Ihr selbst wählen dürft!

Das gespendete Geld fließt meist ausschließlich in die Futterversorgung der Heuler, die hiermit nur  knapp gewährleistet wird. Eine tolle Art den kleinen Wesen auf dem Wege ihrer Besserung etwas Gutes zu tun, wie ich finde. Natürlich kann auch anderweitig tatkräftig geholfen werden. Zum Beispiel im Rahmen eines Bundesfreiwilligendienstes, eines Praktikums oder dem Eintritt in den Verein „Freundeskreis“, in dem monatlich 5 € an die Station gespendet wird.

 

Ob Robbe oder Seehund – Falls Ihr beim Strandspaziergang einen mutterlosen Heuler entdeckt, am besten deutlichen Abstand halten (mindestens 300-500 Meter) und die Aufzuchtstation benachrichtigen (04931-97 33 30). Denn riecht das Jungtier erst einmal nach Mensch, wird es von seiner Mutter nicht mehr angenommen. Oftmals werden Heuler auch mit Jungtieren verwechselt, die schon ab der 5. bis 6. Lebenswoche auf sich selbst gestellt sind. Weitere wichtige Informationen im Falle eines Seehundfundes findet Ihr im Flyer der Seehundstation Norddeich.

Das war’s von mir zum Thema Robbenwatching :) Habt Ihr Geschichten zum Thema Robbenwatching, Anregungen oder Ausflugtipps?

Wie immer freue ich mich über jedes Kommentar.

Eure Ilka

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