Sturmfluten – Spektakuläre Naturschauspiele an der Nordsee

Im Herbst und Frühjahr ist die Hauptsaison für Sturmfluten. Die Stürme haben etwas Faszinierendes, sind aber oftmals auch gefährliche Naturschauspiele. Sturmflut-Feeling kommt erst dann richtig auf, wenn man sich beim Spaziergang gegen den Wind lehnen kann ohne umzufallen und die Wellen meterhoch über die Promenaden und Deiche peitschen. 


So entsteht eine Sturmflut an der Nordsee.

Verstärkt treten Sturmfluten im Herbst sowie Frühjahr auf. Dabei drückt Wind mit Sturm- oder Orkanstärke größere Wassermassen gegen die Küste. An der Nordseeküste tritt dies ein, wenn ein Sturmtief vom Atlantik über die Nordsee kommend, weiter nach Skandinavien oder zur Ostsee zieht. Die Gezeiten Ebbe und Flut spielen dabei eine nicht unwesentliche Rolle. Besonders bei Neumond und Vollmond wird es gefährlich, es kommt zur sogenannten Springflut.

Einteilung der Sturmfluten:

  1. Sturmflut: Der Wasserstand liegt 1,50 m über mittlerem Hochwasser
  2. Schwere Sturmflut: Der Wasserstand liegt bei 2,50 – 3,50 m über mittleren Hochwasser
  3. Sehr schwere Sturmflut: Der Wasserstand liegt mehr als 3,50 m über mittleren Hochwasser

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Deichschutz – kleine Deichkunde

Durch Flutvorhersagen und modernste Technik können heute Sturmfluten vorhergesagt werden. Dies war natürlich nicht immer so. Lange Zeit musste der Ostfriese Verluste, sei es in Form von Leben oder Besitz, hinnehmen. Um diesen zu entgehen, entwickelte er das System des Deichschutzes.

Bereits sehr früh wurden „Schutzwälle“ also Deiche gebaut. Die ersten sogenannten Ringdeiche wurden um 1.000 Jahre n. Chr. um einzelne Felder errichtet, um in den Sommermonaten vor einer Überflutung der Hafer- und Bohnenernten zu schützen. Eine Weiterentwicklung zu Beginn des Hochmittelalters führte dazu, dass die separierten Deichabschnitte zu einer langen Linie zwischen Land und Meer verbunden wurden. Die Urform des heutigen Deiches war geboren. Man sieht: Der Deichbau blickt auf eine lange Tradition zurück.

Heutzutage setzen sich Deiche aus mehreren Ebenen zusammen. Liegt ein Deich direkt an der Küste, spricht man von einem besonders gesicherten Schardeich. Die modernen Deiche werden immer breiter und flacher, um schon frühzeitig die Kraft des Wassers zu hemmen.

1754 berichtete der Jeverländische Deich- und Sielrichter Albert Brahms, dass ca. 1.000 Mann nötig waren, um während des Sommers an den Schutzwällen zu arbeiten. Nur im Sommer war der sogenannte Kleiboden verarbeitbar und für einen 3 km langen Deich wurden damals mit 80 Arbeitsstunden pro Woche 400.000 Kubikmeter Kleiboden verarbeitet. Heute geschieht dies natürlich mit modernstem schwerem Gerät.

 

Warfendörfer – Typisch ostfriesisch!

 Nordischer als auf einer Warft oder auch Hallig zu leben geht es wohl kaum. Auf einem künstlich aus Sand aufgeschütteten Hügel bauten die Einwohner ihre Häuser und teilweise auch kleine Siedlungen, um sich vor Sturmfluten zu schützen. Am bekanntesten sind wohl die Halligen. Diese kleinen Inseln in der Nordsee werden bei „Land unter“, wie die Hallig-Bewohner es nennen, bis auf die Warften überschwemmt. Auf jeden Fall nichts für leichte Gemüter, wenn einem das Wasser wortwörtlich für mehrere Tage bis zum Hals steht.

Falls es bei Euch zuhause auch mal so richtig ungemütlich stürmisch ist, dann ist es Zeit für eine heiße Tasse Tee und ein gutes Buch. Wer sich also für das stürmische Küstenleben und die Warften interessiert, dem kann ich das Buch „Der Schimmelreiter“  wärmstens weiterempfehlen. Der Autor der Novelle, Theodor Storm, schafft es, uns die schaurige Atmosphäre eines Unwetters spüren zu lassen!

 

Versunkene Dörfer im Watt – Eine Schauergeschichte?

 Im Jahre 1509 zog die schwere Cosmas- und Damianflut über Friesland und das Rheiderland hinweg. All dies hätte nicht in diesem Ausmaße Schaden angerichtet, hätte sich Friesland nicht zu dieser Zeit im Bürgerkrieg befunden. So kam es, dass Deiche und Siele zu Kriegszwecken zerstört wurden und die Parteien selbst zu ihrem Unglück beitrugen. Ganze Dörfer sollen von der Sturmflut erfasst worden, und für immer im Dollart versunken sein.

Historiker vermuten, dass es sich bei vielen der Dörfer allein um fiktive Erzählungen handelte. Die Schauergeschichten seien inszeniert worden, um die Bevölkerung zum Frieden aufzurufen. Denn allein durch ihre Uneinigkeit seien große Verluste an Mensch, Tier und Land entstanden. Anscheinend habe es aber einige Dörfer tatsächlich gegeben. Archäologen fanden unter meterdicken Kleischichten Reste ehemaliger Dorfstrukturen. Den Historikern zu Folge wurden die Dörfer auf aufgeschwemmten Torfresten davon getrieben, sodass es schier unmöglich ist, Überreste zu finden.

Heutzutage wird vermutet, dass von den überlieferten 30-70 versunkenen Dörfern nur circa 10-15 tatsächlich versunken sind.  Aber ob nun Realität oder Fiktion, die schaurige Erzählung der versunkenen Dörfer des Dollarts bleibt.

Soviel über die (Schauer-)Geschichten der Deiche und Sturmfluten Norddeutschlands. Du hast weitere interessante Infos über Deiche, ihren Aufbau oder das Leben an der rauen Nordseeküste? Dann lass uns gerne an Deinen Erfahrungen teilhaben! Wir freuen uns über Eure Kommentare. :)

 

Eure Ilka

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