Tief durchatmen – Mit Asthma an der Seeluft

Das Thema Asthma und andere Atemwegserkrankungen ist für uns an Nord- und Ostsee von je her ein Thema – viele Urlauber kommen genau aus dem Grund an die Norddeutsche Küste. Und es sieht so aus, als ob dieses Thema immer relevanter wird.


Brandungsschaum

Bei Asthma muss man unterscheiden: Kinder bis etwa zum 20. Lebensjahr erkranken meistens an allergischem Asthma. In der zweiten Lebenshälfte leiden Erwachsene deutlich mehr an nicht-allergischem (intrinsischem) Asthma. Verschiedene seriöse Quellen wie das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung der Bundesrepublik Deutschland bestätigen, dass Asthma in den letzten Jahren trotz immer fortschreitender Behandlungsmethoden zugenommen hat – vor allem bei Erwachsenen.

Einer anderen Studie dieses Instituts zufolge erkranken übrigens im Kindesalter deutlich mehr Jungen als Mädchen. Im Erwachsenenalter kehrt sich das Verhältnis um.

Erkrankte Erwachsene und Eltern erkrankter Kinder wünschen sich kaum etwas sehnlicher als Erleichterung und tiefe, wohltuende Atemzüge. Da ein längerer Ausflug an die Küste durch das Reizklima an der See sehr zu empfehlen. Aber warum?

Effekt des Reizklimas an der Küste

Unter Reizklima versteht man das Zusammenwirken verschiedener Umweltfaktoren, die den Organismus und das Immunsystem reizen und sich auch positiv, zum Beispiel lindernd auf verschiedene Krankheitssymptome auswirken können.

An der Nordsee sind das die Faktoren Wind, UV-Strahlung, Salzgehalt in der Luft, Luftfeuchtigkeit und Temperatur. Durch den vergleichsweise niedrigeren Salzgehalt in der Luft an der Ostsee spricht man dort von einem abgeschwächten Reizklima.

Seeluft am Strand von Wyk auf Föhr
Wyk auf Föhr © Oliver Franke

In einem Interview mit der Apotheken Umschau drückt es Reinhard Patzke, Oberarzt an der DRK-Nordsee-Reha-Klinik Goldene Schlüssel in St. Peter-Ording folgendermaßen aus: „Diese Faktoren wirken auf komplexe Weise zusammen und reizen den Körper einerseits, andererseits schonen sie ihn auch.“

Hoher Salzgehalt ein Plus an der Nordsee

Der positive Effekt auf den Körper, insbesondere auf den asthmatisch belasteten Körper, lässt sich laut Herrn Patzke vor allem gut am Salzgehalt erklären. Demnach ist der Anteil von Salzwassertröpfchen in der Seeluft und besonders in der Brandungszone hoch. Schon 15 Meter weiter Richtung Strand ist der Salzgehalt nur noch halb so hoch. Diese Salzwassertröpfchen dringen bis in den Rachen oder sogar in die Lunge vor. „Das Salzgemisch ist ein Reizfaktor, durch den sich Schleim aus den Atemwegen löst und Sie tiefer Luft holen lässt.“ Menschen mit Asthma, chronischer Bronchitis oder Nasennebenhöhlenentzündungen können durch diese Art Reizklima am Meer eine Linderung ihrer Beschwerden erfahren.

Dazu kommt noch die nicht nur sprichwörtliche steife Brise an der Küste dazu, die dafür sorgt, dass der Körper sich anpassen muss, um nicht auszukühlen. Der Organismus wird dabei in Schwung gebracht. Für Allergiker kann sich zudem positiv auswirken, dass der Pollengehalt in der Küstenluft in der Regel deutlich niedriger ist als im Binnenland. Dies verdanken wir unter anderem dem Wind, der eher vom Meer statt vom Land weht. „Lang lebe die steife Briese!“ Auch die Schadstoffbelastung ist an der Küste zumeist geringer.

Nordsee oder Ostsee? Ruhig mal den Hausarzt fragen

Wer generell etwas empfindlich auf Veränderungen des Klimas reagiert oder stärker erkrankt ist, dem ist mit dem schwächeren Reizklima an der Ostsee möglicherweise eher geholfen.

Wir empfehlen trotzdem nicht einfach loszufahren, sondern bei Atemwegserkrankungen vorher den Hausarzt aufzusuchen und einfach mal nachzufragen: Empfiehlt er eher ein starkes Reizklima an der Nordsee oder ein schwaches an der Ostsee? Menschen mit gesunden Lungen dürfen da ganz nach ihren persönlichen Vorlieben entscheiden – oder besuchen gleich beide Küsten.

Möwen fliegen über der Brandung

Wer mehr für seine Atemwege und die Lunge tun möchte als nur ans Meer zu fahren, kann das auch mit Lungensport kombinieren. Was das ist, erfahrt Ihr hier.

Natürlich muss niemand erst krank werden, um den Mix aus salzhaltiger Seeluft, Wind und Sonne genießen zu können. Hier im Norden können nicht nur Asthmatiker richtig tief durchatmen – Seeluft tut jedem gut. Ob Ihr lieber ausgedehnte Strandspaziergänge unternehmt, eher sportlich aktiv seid oder vielleicht auch nur Ruhe und Langsamkeit genießt. Eines können wir Euch auch so garantieren: Bewegung an frischer Seeluft sorgt dafür, dass man abends richtig gut schlafen kann. ;-)

Ihr wisst bisher nur, dass es euch an die frische Seeluft zieht, aber noch nicht wohin genau? Dafür haben wir auf diesem Blog ein paar Tipps für Reiseziele wie Börgerende, Föhr, Usedom, Bensersiel, Rügen und mehr gesammelt. Klickt Euch doch gerne mal durch. :-)

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