Tröstende Bären – Die Deutsche Teddy-Stiftung

Manchmal trifft man auch zufällig ganz besondere Menschen im Norden. So ging uns das im Zuge eines Artikels über Bensersiel. Dort stießen wir auf die Deutsche Teddy-Stiftung, die wir Euch unbedingt vorstellen möchten.

Wir haben uns mit Kristina Evers online zum Interview getroffen. Sie ist Vorstandsmitglied für Presse und Öffentlichkeitsarbeit der Deutschen Teddy-Stiftung.

Die Deutsche Teddy-Stiftung möchte Kindern in Not, Kindern mit Traumata Teddy-Bären schenken, um a) Trost zu spenden und b) Brücken zu Erwachsenen bauen. Kann man das so sagen? 

Ja, unser Teddybär soll Kindern zunächsteinmal in akuten Notsituationen Trost spenden und von einer gerade erlebten, schlimmen Situation ablenken. Außerdem wollen wir mit diesem Symbol derZuneigung, das ja auch kleine Kinder schon verstehen, helfen, Traumata abzuwenden. 

Oftmals dient unser Teddy in solchen Situationen natürlich auch als eine weitere große Hilfe. Er baut eine Brücke zwischen dem Kind und dem Erwachsenen auf – beispielsweise einem Arzt, Polizisten oder Feuerwehrmann, der durch seine Arbeitskleidung oftmals auch einschüchternd wirkt.

Der Anlass zur Stiftungsgründung kam von Ihrem ehemaligen langjährigen Vorsitzenden Franz Andratzke. Gab es da ein persönliches Erlebnis? 

Ja, Franz Andratzke, ehemals Leiter der Polizei-Inspektion Wilhelmshaven – Friesland – Wittmund in Ostfriesland, war bis vor Kurzem Vorsitzender und ist bis heute so etwas wie das Gesicht der Stiftung. 

Herr Andratzke wurde Ende 1997 aus dem Feierabend nochmal zur Dienstelle gerufen. Es ging um eine versuchte Kindesentführung. Seine Frau hat ihm damals spontan ein Kuscheltier der Tochter für das kleine verstörte Mädchen mitgegeben – so wie man das manchmal ohne große Überlegungen eben macht. 

Das Mädchen verharrte zunächstkomplett schweigend und fing dann nach und nach an, dem Kuscheltier etwas über den Tathergang zu erzählen. So gelang es, die stumme Situation aufzubrechen.Durch dieses Schlüsselerlebnis motiviert wollte Franz Andratzke künftig den Kindern in einer solch schrecklichen Situation Trost spenden und seinen Kolleginnen und Kollegen der Polizei, aber auch des Rettungsdienstes und der Feuerwehren Hilfen bereit stellen.Nach intensiven Recherchen stieß er dann auf einen Artikel des Kinderschutzbundes Lüneburg über ein Konzept mit einer Teddybärenaktion für Kinder in Notlagen aus den Niederlanden. Darüber hat er dann wiederum Kontakt zur Organisation Good Bears of the Worldin den USA aufgenommen. Diesefeiert 2019 übrigens ihr 50-jähriges Bestehen. 

Die Deutsche-Teddy-Stiftung hat jetzt auch das Sozial- und Jugendamt des Landkreises Wittmund ausgestattet. V.l.n.r.: Barbara Schulzek, Dieter Kramer (Vorstandsmitglied der Stiftung), Marco Bergmann (Amtsleiter), Annika Jung (Jugendamt des Kreises) und Kristina Evers (Vorstandsmitglied und Pressesprecherin der Stiftung). (Foto: Ralf Kölner, Pressestelle Kreisverwaltung)

Nach unserem 20. Jubiläum im September2017 wollteHerr Andratzke ein bisschen kürzer treten. Er regte an, den Vorstand etwas zu verjüngen und ist selbst zurückgetreten. Seitdem ist Matthias Regner unser erster Vorsitzender. Der Gesamtvorstand besteht nun aus fünf Mitgliedern, diesich für verschiedene Bereiche verantwortlich zeigen. 

Frau Evers, die Deutsche Teddy-Stiftung ist eine Sektion der in den USA existierenden Organisation „Good Bears of the World“. Welchen Status bringt das mit sich und wie gebunden sind Sie an Vorgaben – hinsichtlich Aktionen, Zielen und Spenden usw.?

In dem Sinnegar nicht. Wir arbeiten absolut selbstständig und unabhängig.Nach der Gründung unserer Stiftung sind wir in diesen internationalen Verbund vergleichbarer Organisationen aufgenommen worden. Für eine Aufnahme sind lediglich die gleichen Idealeund Ziele relevant, die wir jeweils verfolgen. Deswegen sind wir auch von Good Bears oftheWorld zertifiziert worden. 

Neben dieser Zertifizierung, die uns als neues Mitglied natürlich auch Vertrauenswürdigkeit bescheinigen soll, konnten wir in unserer Gründungszeit ganz besonders von den Erfahrungen in den USA und den Niederlanden profitieren. 
Es gibt keinerlei inhaltliche oder organisatorische Vorgaben, die verpflichtend sind. Es geht einzig um ein Netzwerk für den gegenseitigen Austausch. 

Ist der Teddybär der Deutschen Teddy-Stiftung ein eigens dafür entworfenes Design? Gibt es da so etwas wie ein Copyright auf das Produkt? Sehen die Bären in anderen Ländern anders aus?

Den von uns genutzten Teddybären gab es vorher schon als Produkt. Wir haben zu Beginn unserer Arbeit ungefähr 125 verschiedene Modelle zusammengetragen. Unsere Kollegen in den Niederlanden haben diese im Anschluss knapp 800 Kindern gezeigt, die daraus ihren Favoriten auswählen sollten. Den Gewinnerbären haben wir dann zu unserem Bären gemacht. (Bild rechts)

Unser Produzent sitzt in China, dadeutsche Produkte für uns zu teuer wären. Selbstverständlich legen wir abergroßen Wert darauf, dass das Modell komplett frei von Schadstoffen und Allergenen ist. Dafür lassen wir jede Charge in Stichproben vom TÜV Rheinland überprüfen und zertifizieren. Und natürlich wird der Teddy nicht in Kinderarbeit hergestellt. Unser Importeur pflegtauch persönliche Kontakte zum Hersteller, sodasswir der Belegschaft unsere Arbeit und den Zweck der Teddybären vorstellen konnten. 

Wie sieht das im Stiftungsalltag aus – kommen manchmal direkte Anrufe zu Ihnen mit der Bitte um einen Teddybären? Von wem kommen die Gesuche? Oder agieren Sie eher initiativ?

Wir bekommen in der Regel Anfragen von Rettungsdiensten, Krankenhäusern, der Feuerwehr, Polizeistationen, Kinderhospizen oder neuerdings auch von Jugendämtern. Dann schauen wir als erstes, ob wir selber spenden können, ob der Kontostand es zulässt, und verschicken direkt dorthin. 

Eine andere Variante ist, dass wir vor Ort Paten oder Spender finden. Wenn wir Spenden bekommen, prüfen wir vor allem, ob es in der Nähe des Spenders akuten Bedarf gibt, damit Spende und Tat auch einen regionalen/lokalen Bezug zueinander haben. Wenn ein Unternehmen beispielsweise sagt, dass es den Betrag für 100 Teddybären (Stückpreis: 3,60 Euro ggf. plus MwSt.) spenden möchte, kontaktieren wir zuerst Krankenhäuser, Rettungsdienste etc. in dessen Nähe, ob akut Bedarf besteht. So können die Spender auch unmittelbar miterleben, was mit ihren Geldern geschieht. 

Von Einrichtungen, mit denen wir schon länger zusammenarbeiten kommen auch schon mal Anfragen im Sinne von: Wir haben nur noch 5 Teddybären, könnt ihruns noch welche schicken?

Manchmal melden sich aber auch Eltern von Kindern, die einmal einen Teddy bekommen haben. Sie benötigen einen Ersatzbären, weil die Kinder ohne unseren Teddy nicht mehr einschlafen können. Natürlich helfen wir da auch. 

Wie groß ist das Team der Stiftung, das die Kernarbeit übernimmt?

Wir haben natürlich immer großartige Menschen, die uns spontan helfen! Die regelmäßige Arbeit der Stiftung wird von uns fünf Personen im Vorstand übernommen sowieunserer guten Seele im Büro. Zu unseren Aufgaben gehören die Verwaltung der Spenden sowie das Herstellen und Aufrechterhalten von Kontaktenzu Spendern, Einrichtungen, den Medien und auch zu unseren Botschaftern.
Ein Highlight ist für uns, wenn einmal im Jahr ein großer Container mit den Bären (re: der Jubiläumsbär 2018) per Schiff aus China kommt.Dann fahren wir im Vorstand hin und haben etwa zwei Stunden Zeit, diesen auszuräumen und umzupacken. 

So können wir nahezualle Gelder ausschließlich für die Teddybären verwenden und eben selber auch spenden. Wir selbstveranstalten in der Regel keine Spenden-Galas oder Vergleichbares. Bei uns läuft das Meiste über persönliche Anfragen und Kontakte.

Über Good Bears of the World in den USA las ich, Ziel sei es, „Kindern und älteren Menschen“ über Teddybären Liebe und Trost zu geben. Haben Sie auch schon mal Teddybären an Senioren verschenkt oder gab es Anfragen aus dieser Richtung?

Bei einer gemeinsamen Teddyübergabe mit unserem Botschafter Herrn Rost aus dem Kreis Friesland im Dezember vergangenen Jahres haben wir Überlegungen unternommen, nicht nur Kindern in Notlagen, sondern auch älteren Menschen mit Teddybären Trost zu spenden. Dieses Vorhaben werden wir in diesem oder kommenden Jahr in den Fokus unserer Arbeit legen und hoffentlich ein gutes Konzept entwickeln.

Wie viele Teddybären der Stiftung sind seit der Gründung vor 20 Jahren bisher an Kinder gegangen?

Ursprünglich wollten wir pünktlich zu unserem 20. Jubiläum den 300.000sten Teddybären verteilt haben. Aber so wie es derzeit aussieht, wird es im April soweit sein, dass sich der 300.000ste Teddybär von der Stiftung aus auf den Weg zu einem Kind macht.

Wir sind überzeugt, dass vor allem unsere Strategie, die Teddybären möglichst in die Gegenden zu schicken, aus der die Spenden kommen, dazu beiträgt, dass wir gut wachsen.
1999: 67 Einsatzorte (geografisch)
2017: 636 Einsatzorte (geografisch)
Auf diese Entwicklung sind wir schon ein bisschen stolz. 

Vielen Dank Frau Evers!

Gerne geben wir das Spendenkonto bekannt:

Deutsche Teddy-Stiftung

Konto: 1 082 007
BLZ: 285 500 00
IBAN: DE54285500000001082007 
BIC: BRLADE21LER
Sparkasse LeerWittmund

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