Headerbild mit Titel, Frau bekommt Wasser ins Gesicht gespritzt

Verrückte Ostern rund um Nordsee und Ostsee

Der sich anbahnende Frühling? Frühlingsgefühle? Irgendetwas in der Richtung muss es sein, was die Menschen an den Küsten rund um Nord- und Ostsee zu recht originellen Osterbräuchen treibt. Nichts hiervon ist erfunden!

Norwegen: Marketing-Gag als Tradition

Für viele Norweger beginnt die Osterzeit schon mit Palmsonntag – bzw. sie hört vor Ostern nicht mehr auf. Das öffentliche Leben ruht weitestgehend. Nur und allen voran die Verlagsbranche boomt besonders um diese Zeit. Denn der Oster-Krimi hat in Norwegen Tradition.

Eigentlich seltsam, zum Lesen hat man doch gerade den Winter.
Die Antwort liegt im Jahr 1923. In der Zeitung Aftenposten fand sich am 14. März gleich auf der ersten Seite in großen Lettern: „Bergenbahn letzte Nacht ausgeraubt“. In der Redaktion standen daraufhin die wenigen Telefone nicht mehr still. Viele Norweger meldeten sich, weil sie Angehörige und Freunde in dem Zug wähnten und sich nun verständlich Sorgen machten.

Bergbahn

Doch es war keine Nachricht. Es war eine als Nachricht aufgezogene Werbeanzeige für einen neu erschienen Kriminalroman. Und die schlug offensichtlich ein, denn seither ist es in Norwegen eine sehr erfolgreiche Tradition, um die Feiertage herum Krimis zu veröffentlichen.

Polen: der gegossene Montag

Polen nimmt mit seiner starken und innigen Beziehung zur Katholischen Kirche sicher eine besondere Rolle in Mitteleuropa ein. Umso charmanter, dass einige Menschen dort auch zu Ostern nicht frei von Schabernack sind.

Der Ursprung des „gegossenen Montags“ ist nicht abschließend geklärt. Die einen sagen, sie gehe auf ein heidnisches Reinigungsritual nach dem düsteren Winter zurück. Andere sagen, sie beziehe sich auf die Taufe von Herzog Mieszko I., dem ersten Herrscher über weite Gebiete, die wir heute als Polen kennen. Der ließ sich und damit stellvertretend für seine Untertanen 966 zum Christentum bekehren. Und die Taufe wird ja immer schon mit Wasser vollzogen – vom Tropfen bis zum Vollbad.

So ist es am Ostermontag üblich, sich gegenseitig mit EIN WENIG Wasser zu besprenkeln – in kleinen und unauffälligen Mengen. Allerdings ist es offenbar besonders unter männlichen polnischen Jugendlichen genauso Brauch, das Wasser großzügig in Eimern portioniert an Mädchen und Frauen zu verteilen – alles auf einmal. Schlimm, diese Jugend.

Ehem. Ostpreußen: Schmackostern

In den Gebieten zwischen Polen, Ukraine, Weißrussland bis rauf zur Ostseeküste kennt man Schmackostern als alte Tradition. Und um es vorwegzunehmen, mit Christentum haben die Ursprünge nicht viel zu tun. Hier geht es um uralte Fruchtbarkeitsrituale und Frühlingsfeiern.

Schmackostern wäre so richtig was für Social Media. Es ließe sich so übertreiben, dass man geradezu von schlimmsten Brutalitäten sprechen… posten könnte. „Mit Schmackes“ könnte auch daher kommen. Ostermontag in aller Herrgottsfrühe überraschen junge Burschen die Mädchen in ihren Betten und schlagen sie LEICHT bzw. GANZ ZART mit Birkenruten auf unbekleidete Stellen wie Arme oder Beine. Dadurch sollen nicht nur die Fruchtbarkeit, sondern auch Vitalität und Kraft in den Gliedmaßen gefördert werden. Und zum Dank für diese barbarischen Züchtigungen bewirten die jungen Damen den Besuch anschließend auch noch mit Oster-Kuchen, Schnaps und Likör.

Kuchen zu Ostern

Aber die Mädels werden zuletzt lachen. Am Osterdienstag sind nämlich ebenso traditionell die jungen Damen zur Rache eingeladen und dürfen den nicht selten noch ordentlich verkaterten Männern Schmackostern geben!

Lettland: Mücken magisch wegschaukeln

Von dort aus etwas weiter nördlich in Lettland fließen christlicher Glaube und Magie zu Ostern etwas mehr zusammen. Traditionell werden in den Dörfern Schiffsschaukeln aufgestellt, die jeweils bis zu 4 Personen pro Schiffchen fassen können. Alles im Rahmen weitaus größerer Feierlichkeiten, zu denen auch Volkstanz und Volkslieder gehören.

In die Schiffsschaukeln steigen die jungen Damen des Ortes und die Burschen schubsen diese leicht an. Das Schaukeln soll Mensch und Vieh im Sommer vor Mückenplagen bewahren und für gute Ernte sorgen. Zum Dank dafür erhalten die jungen Männer von den Mädchen anschließend Gebäck und – richtig: gefärbte Eier.

Wichtig noch: Damit sich keine bösen Hexen der Schaukeln bemächtigen – wozu auch immer – müssen die Gerüste nach Ostern verbrannt werden.

Wichtig für Influencer und Anti Aging-Experten: Wer sich an den Ostertagen vor Sonnenaufgang das Gesicht im Wasser eines von Westen nach Osten fließenden Baches wäscht, bleibt jung und schön und bekommt keinen Sonnenbrand! Fragt nicht.  

Finnland: Halloween mit Ostern

Sich gegenseitig schlagen scheinen auch die Finnen zu mögen. Das findet dort allerdings am Palmsonntag statt und gedenkt Jesus‘ Einzug in Jerusalem an eben diesem Tage. Ursprünglich handelt es sich dabei um einen Brauch aus dem Orthodoxen, der aber immer beliebter wurde und heute Glück bringen soll.

Das Motiv der Hexen, hier Osterhexen genannt, ist wahrscheinlich vom südlich gelegenen Baltikum herauf gekommen. Sie sollen vor allem zwischen Karfreitag und Ostermontag ihr Unwesen treiben und werden mit den zahlreichen Osterfeuern wieder in die Flucht geschlagen.

Osterfeuer am See

Von Ostersamstag bis Ostermontag ist es landesweit Brauch, dass sich Kinder mit langen Nasen und Kopftüchern als Hexen verkleiden und von Tür zu Tür ziehen. Eine höchste perfide Taktik lässt sie erst Gedichte aufsagen und dann um Süßigkeiten bitten. Dieses Bitten kann dann sehr hartnäckig ausfallen!

Irland: am Grab des Herings

Auch im Westen, an den Küsten der Nordsee lassen sich zu Ostern ein paar Skurilitäten zu Ostern entdecken. Auch hier gilt ähnlich wie bei Polen: Die Iren sind ein sehr gläubiges Volk mit einer entsprechend tiefen spirituellen Verbindung zum Osterfest. Besonders Karfreitag ist von Ruhe und Demut geprägt. Am Ostersamstag werden in vielen Kirchen hunderte von Kerzen an der gesegneten Osterkerze entzündet. Ansonsten werden zu Ostern überall auch gerne auf den Straßen Tanzwettbewerbe veranstaltet, die das spätere Siegerpaar traditionell mit einem Kuchen ehrt.

Aber mancherorts finden Ostersonntag eigentümlich Begräbnisse statt. Dabei geht es um das Ende der Fastenzeit, zu der man sich anstelle von Fleisch vor allem von Fisch (Heringen) ernährt. Dieses Ende wird vereinzelt dadurch gefeiert, dass ein Hering symbolisch zu Grabe getragen wird. Manch lästerliche Zunge behauptet zuweilen, dass sich ortsansässige Schlachter gerne hier als Zeremonienmeister betätigen.

England: Portemonnaies von der Queen

Ach Mensch, was wäre das für ein Verlust für Europa, wenn uns dieses ans Herz gewachsene Inselvolk verlässt, nur weil ein Rattenfänger „Brexit“ gerufen hat. England darf in keiner Kuriositätensammlung fehlen. Und wie oft haben sie da schon gleichermaßen originell wie kurzweilig den Vogel abgeschossen. So vielleicht auch hier mit dem Royal Maundy am Maundy Thursday (Gründonnerstag).

Nach alter Tradition der Anglikanischen Kirche gewährt deren Oberhaupt seine Majestät, ausgewählten Personen jeweils ein Paar Portemonnaies. Dabei entspricht die Anzahl der Personen dem Alter des Herrschers. Diese höchst würdevolle Handlung symbolisiert, wie sehr sich der Herrscher um sein Volk kümmert. Es erinnert zudem an die Fußwaschung (Maundy) Jesu Christies.

Eines ist rot und enthält ein wenig Bargeld. Vor Jahrhunderten gab es stattdessen auch schon mal Kleidung. Dazu kommt eine weiße Geldbörse mit speziell geprägtem Maundy Money. Das sind vier Münzen im Wert von je ein bis vier Pennies. Ihr Geldwert ist entsprechend gering aber sie werden mittlerweile als Sammlermünzen hoch gehandelt. Selbstverständlich ist alles noch viel komplizierter und majestätischer. Wir vom Kontinent haben grob zusammengefasst.

Ostfriesland: Und wie sieht es bei uns in Ostfriesland aus?

Oh, wir können auch Ostern!

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