titelbild Matthias im Kloster - ein Upstalsboomer berichtet © Julia Martin / Abtei Münsterschwarzach

Matthias im Kloster – Ein Upstalsboomer berichtet

Ein Unternehmen und ein Kloster. Wie passt das zusammen? In den letzten Jahren hat Upstalsboom eine immer höhere Verbundenheit mit dem Kloster Münsterschwarzach aufgebaut. Dies habe ich in meiner Arbeit als Einkäufer des Öfteren gemerkt. Meine Kollegen sprachen während Meetings über ihre eigenen Erfahrungen aus dem Kloster und das hat mich neugierig gemacht.

Das Kloster ist der Ursprung, der unsere Unternehmenskultur wesentlich geprägt hat. Hier fand Bodo Janssen nach einer vernichtenden Mitarbeiterumfrage Ruhe und die Antwort auf viele Fragen. Von dieser Geschichte konnte ich bereits in vielen Gesprächen mit unseren Partnern berichten – doch ich selbst war vorher noch nie im Kloster.

Mein Entschluss ins Kloster zu gehen ist in der Zeit entstanden, in der ich beim neuem Konzept für unser Hotel in Wremen mitgewirkt habe. Dort haben die Teilnehmer in der Runde immer wieder von ihren Eindrücken aus der Klosterzeit gesprochen und die Grundideen des Klosters mit eingebracht. Da ich gerne meine eigenen Erfahrungen mache, bevor ich mir eine Meinung bilde, meldete ich mich für einen Klosteraufenthalt an.

Fragen vor dem Klosteraufenthalt

Anfänglich hatte ich hohen Respekt vor meiner Zeit im Kloster. Dies liegt sicherlich daran, dass ich von meinen Eltern nicht religiös erzogen wurde. Wir sind weder sonntags in die Kirche gegangen, noch hatten wir eine tiefere Beziehung zum Thema Religion.

Tor zum Kloster
Die Pforten zur Abtei © Julia Martin / Abtei Münsterschwarzach

Folgende Fragen entstanden bereits vorab bei mir:

  • Werde ich mit der Stille im Kloster zurechtkommen?
  • Wie werde ich schlafen (wenn ich schon grundsätzlich auswärts nicht gut schlafe)?
  • Welche Essenzeiten wird es geben? Wie wird es dort schmecken? Welches Angebot gibt es dort?
  • Wie werden die Gebetszeiten ablaufen und welche Wirkung werden diese auf mich haben?
  • Was passiert nach dem Nachtgebet? Muss ich danach auf mein Zimmer gehen?
  • Welche Aura werden Pater Anselm Grün und andere Mönche auf mich haben, wenn sie in unserer Runde anwesend ist?
  • Darf ich mich im Kloster frei bewegen oder gibt es Bereiche, die ich nicht betreten darf?

Fragen über Fragen … und dann war es soweit:

Der erste Tag im Kloster

Der erste Tag begann gegen 12:20 Uhr im Essenssaal II. Da ich in der Nacht zuvor schon angereist bin, konnte ich mir bereits am Morgen einen ersten Eindruck vom Klostergeländeverschaffen. Es war beeindruckend zu sehen, welch hohe Anzahl an Touristen und Einheimischen dort herumliefen. In meiner Annahme hatte ich es mir viel ruhiger vorgestellt. Ich beschloss, mich etwas umzusehen und entdeckte am Eingang eine Übersichtskarte des Klosters.

Das Klostergelände

Bei der Betrachtung der Karte verwunderte mich, dass sich auf dem Klostergelände ein Gymnasium befand. Ebenfalls war ich irritiert, welch hohe Anzahl es an Firmen auf dem Gelände gab: Fair Handel, Bäckerei, Metzgerei, Gärtnerei, Verlag, Druckerei etc. Mein erster Gedanke war, dass die Schule und die Betriebe sicherlich nichts mit dem Kloster zu tun haben und nur zufällig an das Klostergelände grenzen. Die Antworten auf diese Fragen sollte ich zu einem späteren Zeitpunkt erhalten.

Übersicht des Klostergeländes
Das Klostergelände

Zunächst zu Tisch

Beim Mittagessen war ich erstaunt, dass es mehre Gänge gab. An meinem Tisch war noch ein Platz frei und jemand außerhalb unserer Gruppe äußerte den Wunsch, sich dazu setzen zu dürfen. Ich war beindruckt mit welcher Aufgeschlossenheit und Offenheit die Menschen uns entgegen traten.

Pater Anselm Grün und „die Kinder“

Um 14:00 Uhr kam Pater Anselm Grün bereits zu uns und wir haben mit dem Thema verletztes & göttliches Kind begonnen. Er erklärte uns, in meinen Augen mit einer extremen Ruhe und auch Ausgeglichenheit, die beiden Begriffe, ohne aber auch nur annähernd diese nur mit der Kirche oder Religion zu verbinden.

Er versuchte uns aufzuzeigen, dass jeder mit diesem Thema vertraut ist und auch selber in der Vergangenheit dazu Erfahrungen gesammelt hat. Ich glaube es war noch nicht mal eine Stunde vergangen, da waren bei einigen schon die Emotionen sehr stark zu spüren. Erstaunlich was passiert, wenn sich Menschen mit solchen Themen beschäftigen. Es flossen Tränen.

Ein Mönch in der Abteikirche
In der Abteikirche © Julia Martin / Abtei Münsterschwarzach

Pater Anselm Grün hat mich am ersten Tag stark beeindruckt. Er war eine Art Lehrer und Mentor für die Runde, jedoch in einer „neuen Art und Weise“. Statt uns die Lösung oder eine Richtung vorzugeben, gab er wirklich jedem die Freiheit seinen gedanklichen Weg zu gehen. Er hat uns Parallelen zum Alltag und zu uns aufgezeigt, welche mir nicht sofort bewusst waren. Entgegen meiner Erwartungen stellte er nicht sehr vielen Fragen, sondern regte die Unterhaltungen mit sehr wenigen und dafür extrem klaren Fragen an

Bodo Janssen gewährt einen Einblick

Nachdem die Seminarzeit gegen 17:00 Uhr zu Ende war, bot Bodo uns an, uns einmal über das Klostergelände zu führen. Er erklärte uns die Abläufe und Gegebenheiten des Klosters. Die Erfahrungen, die Bodo in den letzten Jahren gesammelt hat, waren für mich entspannend und auch zugleich beruhigend. Ein Beispiel: Mönche werden dir niemals genau in den Moment, in dem du etwas falsch machst, diesen Fehler sagen. Sie werden dich zu einem späteren Zeitpunkt mit dezenten, klaren, aber nicht unhöflichen Worten darauf ansprechen.

Danach war meine Sorge, dass ich etwas falsch machen könnte und mir das vorgehalten wird, weg. Viele Themen zum richtigen Verhalten wurden für mich nun noch klarer. Zum Beispiel darf ich so lange draußen spazieren gehen, wie ich möchte! Ich muss nicht um 19:30 Uhr „aufs Zimmer“.

Park beim Kloster

Überrascht hat mich, dass die Schule sowie die Firmen, die ich alle auf der Übersicht gesehen hatte, auch zum Kloster gehören. Selbst, dass die Mönche und Brüder die Schüler dort unterrichten, fand ich spannend. Der Gedanke, dass es im Kloster die ganze Zeit still ist und ich es ebenfalls sein muss, verflog. Ich kann es immer noch nicht recht beschreiben, welche Atmosphäre im Kloster herrscht. Es war eine andere Art der Stille, die ich spürte.

Tag zwei im Kloster

Am zweiten Tag bin ich morgens gespannt und etwas nervös in die Morgenhore / Laudes gegangen. Wie ein Musterschüler bin ich leise aufgestanden, habe mir das Buch geschnappt und bin in die Basilika gegangen. Ich war verwundert, welch hohe Anzahl von uns Upstalsboomern doch so früh morgens dabei war. Die Mönche fingen an zu singen, was ich als angenehm und wohltuend empfand.

Auf der rechten Seite von mir wurden auf einer digitalen Tafel Zahlen präsentiert. Bis ich verstanden habe, dass das die Seitenzahlen sind, hat es bestimmt 2-3 Minuten gedauert … Ich versuchte in dem Buch immer die richtige Seite und Zeilen zu finden, was mir sichtlich schwer viel. Das lag auch daran, dass die Mönche nicht nur die Texte aus dem Buch nutzten. Ich hatte das Gefühl, dass ich das nicht hinbekomme und wurde unruhig. Deswegen habe ich nach ungefähr 15-20 Minuten aufgehört mit dem Buch folgen zu wollen, und hörte einfach zu. Das war für mich die richtige Entscheidung – es fühlte sich besser an.

Genau aus diesem Grund bin ich am nächsten Morgen ebenfalls um 5 Uhr in die Morgenhore /  Laudes gegangen, um das Ganze noch einmal von Anfang bis Ende in Ruhe zu begleiten. Es war gut und richtig für mich, so früh aufgestanden und dabei gewesen zu sein, denn ich hatte meine Innere Zufriedenheit gefunden.

Essen: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold

Bodo begann den zweiten Tag dann offiziell nach der Morgenhore / Laudes mit einer Meditationseinführung um 7:00 Uhr. Dies fand im Schweigen statt, wie alle Mahlzeiten an diesem Tag.

Das Frühstück war vollkommen ausreichend, ist natürlich nicht mit einem Frühstück in einem unserer Häuser zu vergleichen. Trotzdem fand jeder genug zu essen. Die anderen Mahlzeiten am Tag waren ebenfalls reichhaltig. Ich hätte tatsächlich eher mit nüchternem Essen und weniger Auswahl gerechnet. So haben wir doch alle unsere Bilder im Kopf, wie es wohl in einem Kloster sein könnte …

Von Sinn, Handeln und Worten

Auch an diesem Tag war Pater Anselm Grün bei uns und hat sich, in meinen Augen, viel Zeit für uns genommen. Damit hätte ich vorher nicht gerechnet. Außerdem ist mir bewusst geworden, wie sehr die Gebets-, und Essenszeiten im Kloster den Alltag bestimmen. Es war wirklich faszinierend zu sehen, wie Pater Anselm Grün es zeitlich schafft, diese Struktur in der Gruppenarbeit mit einzubringen: pünktlich Schluss machen ohne, dass es einen abrupten Abbruch gibt. Da ich im Alltag ebenfalls viele Termine habe und oft in Zeitnot gerate, wenn Termine länger dauern, ist dies besonders stark bei mir hängengeblieben. 

Gesprächsraum beim Kloster
Raum für Gespräche © Julia Martin / Abtei Münsterschwarzach

Die Themen am zweiten Tag waren Sinn, Handeln und Sprache. Wie erkenne ich einen Sinn? Was bringt mein Handeln? Was ist „richtige“ Sprache? Welche Wörter meide ich oder tausche ich besser aus?

Nach zwei spannenden Tagen ging es am dritten Tag wieder nach Hause, zu uns in den hohen Norden.

Mein Fazit nach der Zeit im Kloster

Die Klosterzeit war spannend und faszinierend. Die Eindrücke muss ich ehrlich gesagt selber noch richtig einordnen. Ich habe dort nochmals gelernt, wie wichtig es ist, sich Zeit für SICH SELBST zu nehmen. Dies habe ich in der Vergangenheit oft unterschätzt. Mein Ziel nach dem Klosteraufenthalt ist: „Ich möchte mir bewusster und regelmäßig Zeit für mich selbst nehmen.“

Ich bin dem Unternehmen Upstalsboom sehr dankbar, dass ich die Möglichkeit bekommen habe, diese einmalige Erfahrung zu machen. Beeindruckt und mit Demut sehe ich auf die Zeit zurück. Wir wurden im Kloster von der ersten Minute an offen und herzliche empfangen und aufgenommen. Für mich entstand nie der Eindruck, dass wir den Ablauf oder den Alltag der Menschen dort stören könnten.

Grundsätzlich haben wir uns während des Klosteraufenthalts über tiefgründige Themen ausgetauscht – das hat sich einfach so ergeben. Vielleicht lag es an der besonderen Atmosphäre des Klosters.

Abteikirche bei Nacht
Die Abteikirche bei Nacht © Julia Martin / Abtei Münsterschwarzach

Zu schlafen fiel mir übrigens genauso schwer, wie sonst auch, wenn ich außerhalb schlafe. Daran kann scheinbar auch eine besondere Atmosphäre nichts ändern.

Euer Matthias

Das Titel-Foto sowie einige Fotos im Artikel wurden uns freundlicherweise von Julia Martin von der Abtei Münsterschwarzach zur Verfügung gestellt. Sie sind die Urheber dieser Fotos. © Julia Martin / Abtei Münsterschwarzach

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