Vom Stövchen, Kluntje und Sahne: Die ostfriesische Teezeremonie

In Ostfriesland wird Gastfreundschaft groß geschrieben. Und das, obwohl man immer wieder anderslautende Aussagen hört. Grimmig sollen sie sein, gerne unter sich bleiben. Das kann in dieser Form allerdings gar nicht stimmen. Denn spätestens, wenn die Teezeit ansteht, sind die Ostfriesen gesellig, gesprächig und alles andere als grimmig.

Drei Tassen Tee sind Ostfriesenrecht.

Und das Teetrinken ist in Ostfriesland ein Bestandteil des Alltags. Die ostfriesische Teezeremonie lädt Tag für Tag dazu ein, sich kurz auf das Wesentliche zu besinnen und zur Ruhe zu kommen.

Als Ostfriese gehört der Tee auch für mich jeden Tag dazu. Aber – ich gebe es zu – so ganz traditionell ist das dann auch nicht immer. Statt Teekanne, Stövchen und viel Zeit, darf es auch schon mal ein Teebeutel sein, der schnell in den Becher kommt und mit heißem Wasser übergossen wird. Und das, obwohl die Teezeit uns Ostfriesen eigentlich heilig ist. Spätestens am Wochenende ist dann aber meist ausreichend Zeit, um dem Teegenuss in seiner Reinform zu frönen.

So wird Tee in Ostfriesland traditionell getrunken

Das Teetrinken ist für uns in Ostfriesland kein Mittel zum Zweck, den Durst löschen soll das Heißgetränk ebenfalls nicht. Die echte ostfriesische Teezeremonie nimmt einiges an Zeit in Anspruch und bietet die Möglichkeit, zu klönen und zu entspannen.

Zunächst wird dazu der Tee in eine Kanne gegeben – heute häufig auch in einen Teefilter, der in der Kanne hängt – und mit sprudelndem, kochendem Wasser übergossen. So muss der Tee für mindestens fünf Minuten ziehen. Mancher Ostfriese mag seinen Tee auch noch stärker. Aus meiner Sicht ist das dann Geschmackssache.

In der Zwischenzeit lassen sich ideal die Teetassen vorbereiten. In jede Tasse wird ein Kandiszucker – der Kluntje – gegeben. Der heiße Tee wird anschließend eingeschenkt und sorgt dabei für das leise Knistern des Kluntje. Die Teekanne wird danach auf das Stövchen gestellt, in dem ein Teelicht brennt um so den Tee warm zu halten.

Umrühren ist beim klassischen Ostfriesentee übrigens mehr als verpönt, obwohl neben der Teetasse immer auch ein Teelöffel liegt. Es soll schon Ostfriesen gegeben haben, die rührende Besucher niemals wieder zum Tee eingeladen haben. Auch wenn die Sahne mit einem Sahnelöffel langsam am inneren Rand der Tasse dazugegeben wird, rührt man den Tee nicht um. Stattdessen bewundert man eine Zeit lang das entstehende „Wulkje“ – ein wolkenähnliches Schauspiel, das anschließend langsam im Tee untergeht.

Die drei Phasen des Ostfriesentees

Der Teegenuss unterteilt sich danach in drei Phasen. Zunächst erlebt man das Sanfte des Tees, bedingt durch die Sahne. Im Anschluss wird der Geschmack ein wenig bitter, der Grundgeschmack des Tees kommt herrlich zum Ausdruck. Und am Ende schmeckt der Tee durch den sich langsam auflösenden Kluntje angenehm süß.

Drei Tassen Tee sind Ostfriesenrecht.

Zum Abschluss kommt dann – endlich – auch der Teelöffel zum Einsatz. Dieser wird wortlos in die Tasse gelegt und signalisiert damit ganz simpel, dass man für dieses Mal genug hat und keine weitere Tasse Tee wünscht. Für mich und viele andere Ostfriesen ist das immer wieder etwas Besonderes – und auch viele Gäste, die in die Region kommen, freuen sich schon im Vorfeld immer wieder auf dieses ganz spezielle Erlebnis.

Mein Tipp: Wer noch mehr über die ostfriesische Teekultur erfahren möchte, dem sei ein Besuch des Teemuseums in Norden empfohlen.

 

Alter Kolonialwarenladen im Teemuseum Norden.

 

Natürlich könnt ihr auch im Parkrestaurant vorbei schauen, denn dort wird Euch eine stilechte Teezeremonie zubereitet. :)

Beste Grüße°!
Sebastian

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Kommentare (1)

  • Sebastian

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    Hallo Fabian, danke für deinen Kommentar. Ostfriesentee ist aber nicht gut … sondern das Beste ;)

    Reply

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