Von der Nordsee, der Mordsee und der Rungholter Frevel

Untergegangene Städte, Länder, Reiche haben schon immer einen besonderen Reiz auf Menschen in aller Welt ausgeübt. Vor allem dort, wo Wasser war oder ist. Wer kennt nicht das sagenhafte Atlantis!? Die Friesen kennen die Sage der untergegangenen Stadt Rungholt.

Ja, liebe Gäste, die Ihr in Wyk auf Föhr vielleicht unser neues Wellness Resort Südstrand besucht. Gebet Obacht! Dies ist der Norden! Hier schlägt die Nordsee, die Mordsee bisweilen einen rauen Ton an. Aber nutzt auch die Gelegenheit und unternehmt Wattwanderungen und Kutterfahrten!

Das Wattenmeer in Schleswig-Holstein ist nicht nur Weltnaturerbe der UNESCO und eines der einzigartigsten Ausflugsziele. Droben im Norden zeugt das Wattenmeer auch von der gewaltigen Kraft des „Blanken Hans“. Der Ursprung dieses Namens für die stürmische Nordsee ist bis heute unklar, aber viele kennen das Gedicht „Trutz, blanke Hans“ von Detlef von Liliencron (1882). Beginnend mit: „Heut bin ich über Rungholt gefahren, die Stadt ging unter vor 600 Jahren!“

Katastrophengeschichten vor Hollywood

Nach neuesten Erkenntnissen lag der sagenhafte Ort Rungholt auf recht torfigem Grund nördlich der heutigen Hallig Südfall.
(nachfolgendes Bild: Wikipedia: © Ralf Roletschek, 13-09-29-Rungholt-RalfR-N3S 9038, CC BY-SA 3.0)

Blick aus Westen auf Südfall und Nordstrand, in der Bildmitte lag Rungholt

Doch halt, bevor wir Rungholt dem spröden Charme historischer Fakten ausliefern, muss klargestellt werden, dass natürlich der Menschen gotteslästerliche Gier nach immer mehr Reichtum und Mammon dem lieben Gott irgendwann mal unangenehm auffallen musste. So konnte es nicht weitergehen mit den frech frevelnden Rungholtern!

Dir Kirche im Mittelalter war eine Kirche der Furcht. Angst vor dem Teufel, Angst vor Nichtvergebung von Sünden waren solide wirtschaftliche Standbeine. Der Ablasshandel war so etwas wie eine Börse in jener Zeit. „10 Minuten vor der Tagesschau jetzt die neuesten Ablassnachrichten vom Börsenparkett“ – wenn man so möchte.
Doch Angst kann dauerhaft nur funktionieren, wenn man sie irgendwann einmal auch konkret benennen kann. Wenn man ihr ein kraftvolles und packendes Exempel spendiert. Dem einen ist es Sodom und Gomorrha, dem anderen Babylon, den Anwohnern der Ostsee die Stadt Vimeta, den Friesen Rungholt.

Im Gedicht „Trutz, blanke Hans“ von Detlef von Liliencron gesellte sich zu Gottes Zorn sogar noch ein Seeungeheuer, dessen Schwanz vor Brasilien und dessen Kopf so kurz vor England lag. Und wenn dieses Ungeheuer mal ordentlich Luft holte und ausatmete, dann kamen die Sturmfluten der Nordsee! Der Zorn Gottes plus einem Ungeheuer von den Ausmaßen des Atlantiks – das ist mehr als Godzilla in Star Wars.

Der Rungholter Reichtum ist keine Erfindung

„Husumer Krug“ aus Rungholt nach Restaurierung Foto: Museumsverbund Nordfriesland

Rungholt war keine Stadt im klassischen Sinne. Eine Stadtmauer wurde nie gefunden. Es handelte sich mehr um eine breit gestreute Flächenbesiedlung, gleichwohl auch mit zum Teil dichterer Besiedlung – also mehreren Warften (Erhöhungen für Häuser).

Lütke Rungholt, Grote Rungholt und Niedam sind drei solcher Siedlungen. Da zudem noch jede Warft über einen eigenen Brunnen verfügte, nur die der Kirchen nicht, ließen sich sogar einige Ortskerne ermitteln.

Der erwähnt torfige Grund in der Gegend um Rungholt ist neben den nach heutigen Maßstäben unzureichenden Deichen der Grund für den Untergang dieses Landstrichs. Neben gängigen landwirtschaftlichen Erzeugnissen hatte der Torf einen hohen Salzgehalt und wurde entsprechend flächendeckend gestochen. Außerdem lag Rungholt auf einer eiszeitlichen Schmelzwasser-Rinne. Dadurch senkte sich das ohnehin schon nah am Meeresspiegel liegende Land noch zusätzlich ab.

Salz war im Mittelalter höchst wertvoll. Besonders durch den Handel mit diesem Gut sammelte sich in der Tat Reichtum an. Neben den üblichen Funden aus Metall wurde vergleichsweise viel Keramik entdeckt, die importiert sein musste (wie z,B. der restaurierte Krug aus spanisch-maurischer Lüsterkeramik im Bild). Darunter einiges, von dem man weiß, dass es auch erst seit dem 14. Jahrhundert hergestellt wird. Damit lässt sich auch der schnell wachsende Wohlstand unter den Rungholter Kaufleuten erklären.

Sturmfluten – die „grote Manndränke“

Unter großem Wehklagen ließen die Sturmflut im Januar 1362, die „grote Manndränke“, und möglicherweise einige kurzzeitig nachfolgende Fluten Rungholt in der Nordsee versinken. Gottes Zorn war gar fürchterlich! Wir erinnern uns: er könnte von den Rungholtern ziemlich genervt gewesen sein.
Allerdings entspringen Zahlen von Hunderttausenden Toten eher der Fantasie. Seriöse Forschungen pendeln etwa um die 1000 Einwohner. Das ist aber immer noch relativ viel, wenn man bedenkt, dass Hamburg zu der Zeit etwa 3000 Einwohner zählte.

Die Insel Alt-Nordstrand auf einer Karte von Johannes Blaeu von 1662 / lizenzfrei

Die aus diesem Ereignis neu geformte Insel „Alt-Nordstrand“ wurde schließlich in der „Marcellus-Flut“ von 1643 auseinandergerissen. Die Opferzahlen der Sturmfluten täuschen übrigens über ihre Stärke hinweg. Bei der furchtbaren Sturmflut von 1962 starben etwa 34 Menschen, bei der im Januar 1976 kam unseren Recherchen nach kein Mensch ums Leben. Dennoch war diese letzte die schwerste mit einem Pegelstand von mehr als 6 Metern über Normalnull.
Doch wer weiß? Vielleicht führen Raffgier und Habsucht eines Tages noch einmal zu dem Punkt, dass das Untier im Atlantik geweckt wird. Und vielleicht atmet es dann nicht nur, sondern hustet!?

Von der großen Insel „Alt-Nordstrand“ blieben die Inseln Pellworm, Nordstrand und Südfall … und zwischen ihnen die dunkle See! In ihren Tiefen liegen die Tausend Toten seit mehr als 600 Jahren. Und manches Mal kann man sie noch klagen hören – ihr lästerliches Betragen bitter bereuend. Von Zeit zu Zeit hört man sogar noch die Kirchenglocken von Rungholt!

„Heute bin ich über Rungholt gefahren,
die Stadt ging unter vor sechshundert Jahren.
Noch schlagen die Wellen da wild und empört
wie damals, als sie die Marschen zerstört. (…)“
(aus: „Trutz, blanke Hans“, Detlev Freiherr von Liliencron, 1882)

Tipps für Besucher und Interessenten

Ähnlich spannend wie Rungholt selbst ist die Geschichte ihrer Wiederentdeckung! Immer noch sind im Nordfriesland Museum Nissenhaus in Husum Exponate einer großen Ausstellung aus 2016 zu sehen. Sehr empfehlenswert ist auch das immer noch erhältliche Buch zur Ausstellung „Rungholt – Rätselhaft und Widersprüchlich“
Auch die Website der Ausstellung gleichen Namens ist nach wie vor online und sehr anschaulich und umfangreich aufbereitet.

Die Rungholt-Gesellschaft feiert im August 2018 die jährlichen Rungholt-Tage mit interessanten Vorträgen, Besichtigung und einem großen Grillfest. HIER geht’s zum Programm!

Weitere Tipps in dieser Richtung findet Ihr hier! Darunter ist auch die private aber sehr sehenswerte Sammlung des unstrittig größten Rungholt-Experten Helmut Bahnsen, der persönlich führt.

Aber das Schönste ist immer doch der Gang durchs Wattenmeer oder die Fahrt über Rungholt … natürlich nur so lange sich einen die Arme der Ertrunkenen nicht plötzlich aus dem nassen Schwarz entgegenstrecken und mit in die Tiefe ziehen. Die nicht reinen Herzens sind greifen sie zuerst …

Wer dem gerade so noch entrinnen konnte und erschöpft von dem Schrecken und der Wanderung wieder auf festem Boden ankommt, hat gleich doppelt Glück: Das Upstalsboom Wellness Resort Südstrand bietet Unterschlupf für müde Wattwanderer und sorgt mit dem umfangreichen Wellness-Programm und der entspannenden Atmosphäre der SPA-Oase für die perfekte Erholung. ;-)

 

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